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CCD-Technik für Sternfreunde

von Siegfried Bergthal

Inhalt
  1. Grundlagen der CCD Technik
  2. Arbeiten mit einer CCD Kamera, Fehlerkorrektur an Bildern
  3. Grundzüge der digitalen Bildbearbeitung

3. Grundzüge der digitalen Bildbearbeitung

Bei der Bildbearbeitung geht es im wesentlichen um 2 Punkte:

  1. Die aufgenommenen (und gespeicherten) Daten sollen so dargestellt werden, dass möglichst viele Details sichtbar werden.
  2. Die aufgenommen (und gespeicherten ) Daten sollen so verändert werden, dass mehr Details sichtbar werden (z.B: durch Schärfung).

Zu Punkt 1, Details Darstellen


Abb. 18.1 ... 18.7


Abb. 19: Gradationskurve in Form eines S`

Die einfachste Möglichkeit ist hier den sogenannten Weiss- und Schwarzpunkt zu setzen. Bei einer CCD-Kamera mit einen 16 Bit AD-Wandler sind insgesamt 216 =65536 verschiedene Graustufen darstellbar (viel mehr als der Monitor darstellen kann). 0 bedeutet hierbei schwarz und 65535 weiss. Zeigt das Bild nun einen Grauschleier im Hintergrund, so kann dieser beseitigt werden, indem der Schwarzpunkt hin zu helleren Punkten verschoben wird. Wird der Schwarzpunkt beispielsweise auf 1500 gesetzt, so werden alle Pixel, deren numerischer Bildwert < 1500 ist auf schwarz gesetzt. In Abb. 18.1 wurde der Schwarzpunkt auf 1469 gesetzt; in Abb. 18.2 auf 1321. Abb. 18.1 ist daher auch merklich dunkler. Ähnlich verhält es sich mit dem Weisspunkt. Wird der Weisspunkt auf 10000 gesetzt, werden alle Pixel, deren numerischer Wert > 10000 ist auf weiss gesetzt. In Abb. 18.1 liegt der Weisspunkt bei 27328, bei Abb. 18.2 nur bei 4224: ein Grossteil des Bildes ist daher weiß. Die Abb. 18.3 und 18.4 zeigen das Beschriebene nochmals grafisch. Die Transformationskurve verläuft in 18.4 steiler und ist daher früher in der Sättigung. Die Steigung der Kurve ist ein Maß für den Kontrast. Hier zeigt sich, dass ein erhöhter Kontrast nicht nur Vorteile mit sich bringt. Zwar werden Details im Außenbereich sichtbar, dafür gehen aber Informationen im Zentrum verloren. Bis jetzt wurde nur die lineare Übertragungsfunktion und die beiden Grenzpunkte betrachtet. Insgesamt ist dies zwar eine Verbesserung gegenüber dem Rohbildern, aber zufriedenstellend ist das Bild immer noch nicht. Entweder werden die schwachen Details in den Außenbereichen sichtbar oder die sehr hellen Bereiche im Zentrum. Beides lässt sich mit dieser Methode des Weiss- bzw. Schwarzpunktes nicht erreichen. Die hier beschriebenen Korrekturen werden auch als Tonwertkorrektur bezeichnet.

Ein weiterer Forschritt lässt sich erreichen wenn die Übertragungsfunktion nicht linear bleibt sondern die Form einer S-Kurve annimmt. Die Wirkung dieser Kurve ist in Abb. 19 gezeigt. Gestrichelt ist der lineare Weiss-/Schwarzpunktabgleich eingezeichnet. Die Kurve lässt sich wie folgt interpretieren: Der Anstieg der Kurve verläuft schwächer als bei einer Geraden, d.h., der Hintergrund wird dunkler gehalten und verläuft langsamer in die helleren Bereiche. Die beiden Pfeile (A) zeigen an, um wie viel ein entsprechender Graupunkt dunkler dargestellt wird. Im oberen Bereich werden die hellen Punkte angehoben. Die Interpretation ist analog zum unteren Punkt. Insgesamt führt die Gradationskurve zu einer Anhebung des Kontrastes und vermeidet einige Nachteile der vorher beschriebenen Bildbearbeitungsmöglichkeit. Insgesamt ist aber auch diese Methode nicht ganz befriedigend.

Eine wirkliche Verbesserung bringt die Maskierungstechnik
Die Abbildungen 18.5 und 18.6 stellen nochmals die beiden Abbildungen 18.1 und 18.2 dar. Mit einem Unterschied: In die Abbildung 18.6 wurde der zentrale weisse und damit überbelichtete Teil ausgeschnitten. Es scheint der hier willkürlich gewählte schwarze Hintergrund durch. Wird nun unter die Abbildung 18.6 die Abbildung 18.5 gelegt (in Abb. 18.7 dargestellt), so scheint der dort gezeigte zentrale Teil des Orion-Nebels durch. Damit im später fertigen Bild die scharfen Kanten des Ausschnitts vom Auge nicht wahrgenommen werden, werden die Kanten weich gezeichnet, d.h. leicht unscharf gemacht. Die Abb. 18.7 ist sehr grob und soll auch nur das Prinzip darstellen. Verfeinert man dieses Technik auf 5 Ebenen mit einer feineren Abstufung erhält man ein Ergebnis wie in Abb. 18.8 gezeigt. Die Basis für dieses Bild ist eine einzige Aufnahme durch einen 100 mm Refraktor bei 640 mm Brennweite. Belichtet wurde nur 60 s! mit IR-Sperrfilter auf eine ST2000 von SBIG. In der Praxis "schneidet" man nicht die einzelnen Bildteile aus, sondern maskiert diese. Daher auch der Name Maskierungstechnik. Bis hierher wurde an den Bilddaten nichts grundlegendes verändert. Es wurden lediglich die Helligkeitswerte der einzelnen Bildelemente so angepasst, dass ein Maximum an Details wahrgenommen werden kann. Für photometrische Messungen können solche Bilder allerdings nicht mehr verwendet werden, weil die Linearität der Helligkeitswerte zu Gunsten eines optimalen Kontrastes aufgegeben wurde.

Zu 2: Details Hervorheben

Rohbild-unscharfer Bildteil=scharfer Bildteil

Rohbild+ scharfer Bildteil=schärferes Bild
Abb. 20



Abb. 21

Um ein vorhandenes Bild zu schärfen gibt es verschiedene mathematische Verfahren und Algorithmen. Die bekanntesten sind die unscharfe Maske und der Richardson-Lucy-Algorithmus. Mit beiden und weiteren von Software-Programmen angebotenen Verfahren ist der Autor nie glücklich geworden. Vermutlich deshalb, weil dem Anwender je nach Programm zwar Parameter zu Veränderung geboten werden, diese aber nicht beschrieben sind und es oft auf ein "Probieren" hinausläuft. Daher wird hier ein manuelles Verfahren der unscharfen Maske beschrieben, das generelle Gültigkeit hat: Ein Bild (Abb. 20 oben links) besteht aus einem scharfen und einem unscharfen Bildanteil. Wenn es nun gelingt den unscharfen Bildanteil zu bestimmen, so kann dieser vom Gesamtbild abgezogen werden und es bleibt der scharfe Bildanteil übrig. Die Kunst besteht nun darin diesen unscharfen Bildanteil zu bestimmen. Vorgehensweise:

Im ersten Schritt wird von einem Bild ein Duplikat erstellt. Dieses wird dann weich gezeichnet bzw. unscharf gemacht. Dies ist ein Versuch den unscharfen Anteil künstlich zu erstellen bzw. zu simulieren. Von diesem Bild wird dann das Original subtrahiert. Es bleibt der Scharfanteil des Bildes übrig. In der oberen Bilderreihe der Abb. 20 ist dies dargestellt. Für das Weichzeichnen wird am besten der Gaußsche oder ein benutzerdefinierter Weichzeichner verwendet. Der einzugebende Parameter ist der Radius in Pixel; ein Maß für die Weichzeichnung. Sie ist abhängig von der Unschärfe des Original-Bildes und vom gewünschten Ergebnis.

Im zweiten Schritt wird dann dieser Scharfanteil mit dem Originalbild verknüpft und als Ergebnis entsteht ein Bild erhöhter Schärfe wie in Abbildung 20 unten gezeigt. Bei dem scharfen Bildanteil handelt es sich hauptsächlich um Kanten, die hell dargestellt sind. Es liegt in der Funktion des Auges, dass Kanten besonders gut erkannt werden. Diese Eigenschaft des Auges sollte bei der Bildbearbeitung nie außer Acht gelassen werden. Über das Original-Bild wird ein (Relief-) Bild überlagert, bei dem die Kanten hervorgehoben sind. In Abb. 21 wird dies beim Sonnenrand sehr deutlich. Im vorigen Abschnitt siehe Abb. 18.7/18.8 lag die Kunst der Bildbearbeitung darin, dass die Kanten so unscharf gemacht werden, dass sie vom Auge nicht mehr wahr genommen werden können. Hier ist es umgekehrt! Ein Großteil der Aufgaben in der modernen Bildbearbeitung liegt darin entweder Kanten zu betonen oder diese unkenntlich zu machen. Bei all diesen Möglichkeiten sollten aber auch die Grenzen der Bildschärfung bedacht werden. Wird diese allzu unbekümmert eingesetzt entstehen Artefakte, also Muster die im Original nicht vorhanden sind. Dies ist aber nicht Sinn und Zweck der Bildbearbeitung. Dieser besteht darin vorhandene Details herauszuarbeiten und diese besser sichtbar zu machen.

Weitere Informationen erhalten Sie auf meiner Homepage unter www.astro-siggi.de. Dort wurde auch ein Forum eingerichtet zur Diskussion der CCD-Technik und der Bildbearbeitung. Bei Fragen schicken Sie mir eine Email:
Siegfried Bergthal

Glossar

Auflösung
gibt an, daß sich zwei Punkte, die einen bestimmten Abstand voneinander haben, auflösen lassen, so daß sie einwandfrei zu unterscheiden sind.
Binning Mode
Zur Erhöhung der Sensitivität besteht die Möglichkeit, ein Pixelbinning durchzuführen. Dies bedeutet, dass auf elektronischem Weg die Ladungsinformation eines 2 x 2 Pixel umfassenden Bereiches im Ausleseregister zusammengeführt werden. Der Dynamikbereich des Chips wird hierdurch nicht erhöht. Die Auslesegeschwindigkeit erhöht sich durch die geringere Anzahl auszugebender Pixel. Das Ausleserauschen wird hierdurch nicht erhöht.
Blooming
Blooming bezeichnet den Effekt, dass senkrechte oder waagerechte Streifen von hellen Sternen ausgehen. Dies tritt dann ein, wenn das einzelne Pixel mit Elektronen voll ist und die Elektronen in andere Pixel überlaufen. Der Effekt kann bei der Herstellung des Chips durch das Anbringen eines
"Anti-Blooming Gates" zwischen den einzelnen Pixeln verhindert werden.
CCD
ist die Abkürzung für Charge Coupled Device. Auf Deutsch heißt das ladungsgekoppeltes Bauelement. Verwendung finden sie hauptsächlich als Bildsensor bei Videokameras, Scannern und digitalen Fotoapparaten.
Dark Frame
Bild zum Kalibrieren der eigentlichen Aufnahme. Das Dark Frame wird bei gleicher Temperatur und mit gleicher Beichtungszeit wie die Aufnahme erstellt. Allerdings bei geschlossenem Verschluss. Der Dunkelstrom und defekte Pixel sind im Dark und in der Aufnahme und können so ermittelt und beseitigt werden.
Flat Field Frame
Bild zum Kalibrieren der eigentlichen Aufnahme. Bei dieser Aufnahme ist das
Teleskop gegen eine homogen ausgeleuchtete Fläche gerichtet. Das Flat Frame
zeigt die unterschiedlichen Empfindlichkeiten der einzelnen Pixel und die Vignettierung des
optischen Systems an. Wird dieses Bild in die Aufnahme eingebunden, können die
Fehler herausgerechnet werden.
Full Well Capacity
Der Wert gibt die maximale Anzahl an Elektronen an, die ein Pixel aufnehmen kann, bevor es gesättigt ist. Danach ist das Pixel "voll" und überschüssige Elektronen werden entweder über das Anti-Blooming Gate abgeleitet oder die Elektronen fließen in die Nachbarpixel und erzeugen die Blooming Streifen.
Maskieren
Mit Masken werden Bildbereiche isoliert bzw. geschützt, während Farbänderungen, Filter oder andere Effekte auf den Rest des Bildes angewendet werden. Mit Masken werden Teile des Bildes vor der Bearbeitung geschützt. Masken sind für komplizierte Bildbearbeitungen verwendbar.
Peltier-Element
Ein Peltier-Element ist ein elektrisches Bauteil, das unter Spannung ein starkes Temperaturgefälle schafft. Das Peltier- Element [auch TEC = engl: Thermo Electric Cooler, genannt] ist eine Konstruktion aus zwei mit Kupferleitstellen verbundenen Halbleiterplatten auf Keramikbasis, die aufgrund ihres unterschiedlichen elektrischen Widerstandes einen Wärmeaustauscheffekt produzieren.
Pixel
ist ein Kunstwort aus picture + element
Sampling
Ein durch seine geometrischen Dimensionen (Länge x Breite in mm) definiertes Einzelpixel ist nicht für alle Teleskope gleich effektiv. Fällt das Beugungsscheibchen genau auf einen Pixel, ist die Empfindlichkeit optimal ausgenutzt. Das gesamte Licht eines Sternes fällt auf ein Pixel. Dafür sind die Sterne eckig und es fehlen Grauanteile im Bild: Dies wird Undersampling genannt. Ist nun die Brennweite des Teleskops so gewählt, dass das Beugungsscheibchen z.B. auf 20 Pixel fällt, so entsteht ein Grauverlauf des einzelnen Sterns und er wird schön rund.
Die Kamera arbeitet aber sehr unempfindlich, weil sich das Licht eines einzigen Sterns nun auf sehr viele Pixel verteilt: Dies wird Oversampling genannt.
Critical Sampling
Bei Planeten wird immer im Oversampling-Bereich gearbeitet.
Für DeepSky-Aufnahmen muss ein optimaler Bereich zwischen Over- und Undersampling gefunden werden. Die Kamera muss noch empfindlich arbeiten, die Bilder sollen aber trotzdem fein abgestuft sein.
Erfahrungswerte zeigen, dass eine Auflösung von 1...2 Bogensekunden pro Pixel optimal sind.


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20.12.2006 23:44 Uhr, Arnold Barmettler

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