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Nur die wenigsten Amateurastronomen sind in der glücklichen Situation, in der Nähe ihres Wohnortes optimale Bedingungen für die Astrofotografie vorzufinden. In den allermeisten Fällen sind also mehr oder weniger weite Anfahrten oder Reisen zu geeigneten Standorten erforderlich, insbesondere bei seltenen und örtlich begrenzten astronomischen Ereignissen, zum Beispiel zentrale Sonnenfinsternisse und Transits. Dieser Artikel erklärt, was bei Reisen mit astronomischer Ausrüstung zu beachten ist.
Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels über Flugzeug-Handgepäck können sich in Kürze ändern, da die entsprechenden Gesetze noch nicht verabschiedet sind. Die Angaben geben den mir bekannten Stand von Ende Februar 2007 wieder. Der Beitrag wird nach Verabschiedung der neuen Gesetze entsprechend aktualisiert.
Ein wichtiger Aspekt der Reiseplanung ist das Klima der geplanten Zielregion. Die Wetterlage sollte stabil sein und mit hoher Wahrscheinlichkeit einen wolkenlosen Himmel ermöglichen. Ideal ist ein Ort mit einer großen Höhe über dem Meeresspiegel, da hier die dichten Atmosphärenschichten unterhalb des Beobachters liegen. Das reduziert den Dunst, die Aufnahmen werden folglich schärfer, und die Durchsicht und somit die erreichbare Grenzgröße verbessert sich um bis zu eine halbe Größenklasse gegenüber einem Beobachtungsplatz auf dem Flachland. Ausserdem wird das Seeing verbessert, wenn sich die dichtesten Atmosphärenschichten unterhalb des Beobachters befinden.
Die Anforderungen an ein Reiseteleskop sind anders als bei herkömmlichen Fernrohren. Kann man ein Teleskop im Auto ohne weiteres benötigtes Gepäck verstauen, lassen sich im Falle von Gitterrohr-Dobsons selbst mannsgroße Geräte mit 40 bis 50 Zentimeter Spiegeldurchmesser problemlos transportieren.
Anders sieht es bei Urlaubsreisen mit dem Auto oder gar Flugreisen aus. Hier muss ein Reiseteleskop möglichst klein, aber dennoch leistungsfähig sein. Konkret ergeben sich folgende Anforderungen an ein gutes Reiseteleskop:
Das ist die Grundvoraussetzung, um ein Teleskop überhaupt auf Reisen transportieren zu können. Neben umfangreichem Reisegepäck im Auto und insbesondere im Flugzeug darf das Gerät nicht zu groß sein, wenn es mit Zubehör unbeschadet transportiert werden soll. Aus eigener Erfahrung empfehle ich folgende maximale Tubusgrößen:
Die Länge sollte 50 Zentimeter, die freie Öffnung fünf Zoll nicht überschreiten. Hiermit liegt man auch im Rahmen der zulässigen Abmessungen von Flugzeug-Handgepäck (siehe unten).
Diese ist insbesondere bei Flugreisen und auf Autofahrten über holperige Straßen (Kopfsteinpflaster, unbefestigte Geländewege etc.) ein wesentlicher Aspekt.
Die Justage der optischen Elemente sollte auch über einen längeren Zeitraum stabil sein und sich durch leichte Erschütterungen nicht verstellen. Für den Fall, dass sich die Justage dennoch verstellen sollte, sollte man ein Gerät wählen, dass sich relativ einfach nachjustieren lässt. Hier muss man sich vom Fachhändler beraten lassen. Erfahrungsgemäß haben Maksutov-Cassegrain-Systeme eine sehr geringe Anfälligkeit gegen Dejustierung.
Bei Reiseteleskopen ist eine solide und robuste Gesamtkonstruktion Grundvoraussetzung. Wie wir später noch sehen werden, ist ein Transport im Handgepäck nicht mehr gewährleistet. Das aufgegebene Gepäck wird nicht immer mit der für optische Geräte nötigen Vorsicht behandelt. Gegebenenfalls sollte man ein Schild "Handle with care, fragile" o.ä. am Koffer anbringen.
In diesem Zusammenhang möchte ich die Spektive als spezielle Klasse von Beobachtungsgeräten hervorheben. Sie sind gewissermaßen Fernglas, Teleobjektiv und Teleskop in einem Gerät.
Linsenteleskope als Spektiv haben in der Regel Objektivdurchmesser von 60 bis 80 Millimeter und Brennweiten zwischen 350 und 600 Millimeter. Wegen der beschränkten Tubuslänge sind Brennweiten über 500 Millimeter für Flugreisen ungeeignet, sieht man einmal von den wenigen Modellen mit zerlegbarem Tubus ab.
Spiegeloptiken sind bei Spektiven in der Regel Maksutov-Cassegrain-Systeme. Typische Öffnungen sind hier 90 bis 125 Millimeter. Die Brennweite variiert zum Teil recht stark, sie kann über 1500 Millimeter betragen. Dennoch sind diese Geräte sehr kurzbauend, die Tuben sind nicht länger als 30 bis 40 Zentimeter.
Es ist darauf zu achten, dass genormtes 1¼-Zoll-Teleskopzubehör angeschlossen werden kann. Viele Spektive nehmen okularseitig leider nur modellspezifisches Zubehör auf.
Hier möchte ich die berühmten Russentonnen als besonders geeignetes und bewährtes Reiseteleskop erwähnen. Diese als MTO-11CA 100/1000mm erhältlichen Maksutov-Cassegrain-Systeme sind Spiegelteleobjektive mit einer freien Öffnung von 100 Millimetern und 1000 Millimetern Brennweite. Kameraseitig haben sie ein M42-Gewinde, an das sie mit Hilfe eines kameraspezifischen M42-Adapters oder mit einem zusätzlichen Zwischenring auch mit einem T2-Ring an handelsübliche Spiegelreflexkameras angeschlossen werden können.
Kameraseitig kann mit speziellen Adaptern sogar genormtes 1¼-Zoll- und 2-Zoll Zubehör angeschlossen werden, so dass man diese Geräte als Spiegelteleskop verwenden kann. Da ein Sucher oder Peilsucher nur mit bastlerischem Geschick angebracht werden kann, eignen sie sich nur als Teleskop, wenn das Zielobjekt (Sonne, Mond) einfach zu finden ist oder das Gerät mit einer GoTo-Montierung mit automatischer Objektpositionierung betrieben wird.
Die Russentonnen haben sich als Reiseteleskop wegen ihrer extremen Robustheit und Bildqualität sehr gut bewährt.
Das Foto zeigt eine solche Russentonne mit ausgezogener Sonnenblende und angesetzter Spiegelreflexkamera:
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Kameras, Optiken und Fotozubehör sollten auf Flugreisen im Handgepäck transportiert werden, sofern dies möglich ist. Das liegt daran, dass Koffer, die eingecheckt werden, zum Teil recht grob behandelt werden. Sein Handgepäck hat man hingegen stets unter Kontrolle. Bis vor ein paar Monaten war das eher eine Frage des Gewichtes und der Abmessungen, ob sich eine Optik im Handgepäck transportieren ließ oder nicht.
Seit den vereitelten Flugzeug-Attentaten mit Flüssigsprengstoff sind die Regeln für zugelassene Gegenstände im Handgepäck stark verschärft worden.
Für das Flugzeug-Handgepäck gelten folgende neue Regeln (Stand 6. November 2006):
Spitze Gegenstände wie Scheren, Werkzeuge (Schraubenzieher etc.) dürfen nicht ins Handgepäck. Die Angaben weichen hierbei voneinander ab, zumal die Bestimmungen Mindestvorschriften sind, die vom Start- und Zielland und sogar von der Fluggesellschaft abhängig sein können. Werkzeug, das für die Montage von astronomischen Geräten benötigt wird, sollte also sicherheitshalber im Koffer eingecheckt werden.
Behälter für Flüssigkeiten etc. dürfen nicht mehr als 100 Milliliter Fassungsvermögen haben. In wieweit der Begriff "Behälter" auf Teleskoptuben oder Kameraobjektive ausgedehnt werden kann, ist mir nicht bekannt. Meiner Erfahrung nach wurden optische Geräte von den Kontrolleuren schon immer sehr genau untersucht.
Flüssigkeiten und deren Behälter dürfen nur noch in durchsichtigen Plastiktüten transportiert werden. Dies sind wie gesagt Mindestvorschriften. Einige Fluglinien erlauben generell nur noch durchsichtige Plastiktüten als Handgepäck.
Zur zukünftig zugelassenen Größe des Handgepäcks kann ich noch keine Aussage machen. Die neuen Vorschriften werden hierfür erst im Mai 2008 verabschiedet. Wahrscheinlich wird die maximale Grösse des Handgepäcks 56 mal 45 mal 25 Zentimeter betragen.
Bevor man eine Flugreise mit optischen Geräten antritt, sollte man sich bei der geplanten Fluglinie bzw. beim Reiseveranstalter erkundigen, ob ein Transport der geplanten Ausrüstung im Handgepäck möglich ist. Das hängt von den internen Vorschriften der Fluggesellschaft und den Bestimmungen des Abflugs- und Ankunftslandes ab. Bei Terrordrohungen kann das Handgepäck auch kurzfristig auf die notwendigsten Gegenstände (Papiere, Wertgegenstände, Medikamente) eingeschränkt werden. Um sicher zu gehen, sollte man die Ausrüstung so verpacken, dass sie kurzfristig mit eingecheckt werden kann.
Die Gewichtsbeschränkung beträgt je nach Fluggesellschaft sechs bis sieben Kilo, die genauen Maße hingegen sind bisher von der Fluggesellschaft abhängig.
Es versteht sich von selbst, dass astronomische und fotografische Ausrüstung so stabil und sicher wie möglich verpackt werden muss, um Schäden durch Erschütterungen oder Herunterfallen möglichst gut zu vermeiden. Die in diesem Abschnitt gegebenen Ratschläge gelten für Auto- und Flugreisen gleichermaßen, aber auch für den schnellen Transport per Handgepäck in den Garten.
Beschränkt sich die Fotoausrüstung auf ein Kameragehäuse mit einem nicht zu langen Objektiv, genügen die gefütterten Fototaschen, in denen man eine Kamera auch auf Fototour unterwegs transportiert. Diese sind innen gepolstert und schützen die Kamera mit Objektiv vor etwas gröberen Stößen. Mit Kleidungsstücke oder Zeitungspapier umpackt, lassen sie sich auch in einem eingecheckten Koffer bedenkenlos transportieren.
Fotokoffer bestehen aussen meistens aus Aluminium und sind speziell für die Staub- und feuchtigkeitsgeschützte Aufbewahrung von Fotoausrüstung und zum stoßfesten Transport gedacht. Innen bestehen sie aus einem Schaumstoffpolster, das entweder in kleinen Stücken herausgebrochen wird, um die hierbei entstehenden Hohlräume exakt den zu transportierenden Geräten anzupassen. Die Hohlräume sollten hierbei so groß gemacht werden, dass die Ausrüstungsgegenstände stramm und spielfrei im Polster liegen. Eine andere Variante besteht darin, dass das Polster herausgeschnitten werden muss.
Das Foto zeigt einen solchen Alu-Koffer, der zur Aufbewahrung und zum Transport eines Celestron 90-Maksutovs mit Zubehör angepasst wurde:
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Solche Koffer gibt es in verschiedenen Abmessungen. Die Höhe in liegender Position muss so groß sein, dass die Optik hineinpasst und oben und unten einige Zentimeter Polstermaterial vorhanden ist.
Diese Koffer sind extrem stabil. Allerdings kann auch das beste und zuverlässigste Produkt einmal versagen. Man sollte diesen Koffer also trotz seiner Stabilität vorsichtig und behutsam transportieren.
Im Flugzeug ist es ratsam, eine Fotoausrüstung wenn möglich nicht in den Handgepäckbehältern über den Sitzen, sondern unter dem Sitz zu verstauen: Die Behälter können ohne Vorwarnung aufgehen und der Inhalt aus bis zu zwei Metern Höhe zu Boden fallen. Unabhängig von der Gefahr für die Optik stellt ein aus solcher Höhe herunter fallender Alu-Koffer eine erhebliche Gefährdung für eventuell vorbeilaufende Personen dar.
Häufig werden optische Geräte in Köchern oder anderen Transportbehältern ausgeliefert. Sollen die Geräte damit transportiert werden, ist es ratsam, die Hohlräume mit Zeitungspapier auszufüllen. Das folgende Foto zeigt hierfür ein Beispiel:
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Soll ein Alu-Fotokoffer oder Köcher im Koffer verpackt und bei Flugreisen beim Einchecken aufgegeben werden, empfiehlt es sich, diesen aussen mit Wäsche oder Zeitungspapier zu verkleiden, um eine zusätzliche Polsterung gegen Erschütterungen zu ermöglichen.
Eine häufig diskutierte Frage ist die Sicherheit von Fotos auf Speicherkarten, die bei Sicherheitskontrollen einen Metalldetektor oder ein Röntgengerät passieren müssen.
Röntgenstrahlung kann die Daten nicht beeinträchtigen, da die Speicherkarte im Gegensatz zu analogem Film nicht belichtet wird (Röntgenstrahlung ist wie sichtbares Licht ein Teil des elektromagnetischen Spektrums).
Auf Speicherkarten sind die Bilddaten magnetisch aufgezeichnet. Folglich können Metalldetektoren, die mit Magnetfeldern arbeiten, eine Speicherkarte zumindest theoretisch löschen. Es gibt widersprüchliche Aussagen darüber, ob eine Speicherkarte von Metalldetektoren gelöscht wird oder nicht. Vermutlich hängt es von der Stärke des verwendeten Magnetfeldes ab.
Man sollte die Speicherkarte also in einer Tasche transportieren, die beim Durchschreiten eines Metalldetektors abgenommen und einer Überprüfung durch Röntgen unterzogen wird, beispielsweise in Handtaschen. Meiner Erfahrung nach werden alle Jacken, Taschen etc. mit Röntgengeräten kontrolliert. Ist eine Kontrolle via Metalldetektor unumgänglich, sollte eine manuelle Kontrolle des betreffenden Gepäckstückes erfragt werden.
Dies ist die letzte Folge der Serie "Einführung in die Astrofotografie". Haben Sie Vorschläge zur Ergänzung bestimmter Artikel oder vermissen Sie ein Thema? Für Anregungen und Wünsche habe ich stets ein offenes Ohr. Senden Sie mir in diesem Fall bitte eine E-Mail.
| Serie-Inhaltsübersicht | |
| Konzept und Ziele der Serie | |
| Grundausrüstung und der richtige Beobachtungsort | |
| ISO–Empfindlichkeiten und Belichtungszeiten | |
| Objektive vom Weitwinkel bis zum Supertele und ihre Anwendungen in der Astrofotografie | |
| Fokussierung von Astrofotos | |
| Erste Astrofotos mit ruhender Kamera: Der Mond | |
| Erste Astrofotos mit ruhender Kamera: Sternenhimmel, Strichspuren und Konstellationen | |
| Das Einsteigerteleskop für die Astrofotografie und Gebrauchtgeräte | |
| Montierungen | |
| Nachführung und Piggyback-Fotografie | |
| Die Sonne | |
| Deep–Sky–Fotografie I | |
| Deep–Sky–Fotografie II | |
| Kometen | |
| Meteore | |
| Einführung in die Fotografie mit Webcams und verwandten Aufnahmesystemen | |
| Astrofotografie und (Fern-)Reisen | |
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