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Es wird häufig angenommen, dass Astrofotografie nur mit einer umfangreichen, teuren Ausrüstung möglich ist. Dies ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Bereits mit einer handelsüblichen Fotoausrüstung lassen sich eindrucksvolle Aufnahmen des Sternenhimmels und des Mondes anfertigen. Für den Anfang benötigt man nicht mehr Ausrüstung als für gewöhnliche Nachtaufnahmen und einen geeigneten Standort für erfolgreiche Astrofotografie.
Grundsätzlich lassen sich bereits mit einer Digicam Astrofotos anfertigen. Ich gehe an den entsprechenen Stellen in dieser Serie kurz auf Digicams ein. Eine ausführliche Beschreibung der Anwendung von Digicams gibt es in einem separaten Artikel von AstroInfo.
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Eine digitale Spiegelreflexkamera mit Wechseloptik ist für eine vernünftige Astrofotografie unerlässlich. Zwar lassen sich auch mit Digicams Astrofotos anfertigen, jedoch sind hier der Belichtungszeit, Brennweiten und manuellen Einstellungen schnell Grenzen gesetzt.
An eine Spiegelreflexkamera lassen sich Objektive aller Brennweiten und Teleskope adaptieren. Alle Einstellungen, die wir benötigen, können in weiten Bereichen manuell festgelegt werden. Das Rauschverhalten ist wesentlich besser als bei Digicams.
Bei Spiegelreflexkameras sind insbesondere folgende Punkte von Bedeutung:
Um Erschütterungen und daraus resultierende Verwackelungen der Aufnahme zu vermeiden, ist wenigstens ein Selbstauslöser mit Zeitverzögerung unverzichtbar. Diese Selbstauslöser ("Timer") verzögern die Belichtung um etwa zehn Sekunden, nachdem der Auslöser gedrückt wurde. In dieser Zeit können die Schwingungen abklingen.
Ein Kabel-, Fern- oder Infrarot–Auslöser (siehe unten) macht sogar jede Berührung der Kamera überflüssig und ist deshalb einem Selbstauslöser grundsätzlich vorzuziehen, sofern eine Anschlussmöglichkeit gegeben ist.
Bei einer Spiegelreflexkamera können Blende und Verschlusszeit frei gewählt werden. Im Falle von Teleskopen und Spiegelobjektiven funktioniert die sog. Blendenvorwahl nicht, da sich die Blendenöffnung bei diesen Geräten nicht verstellen lässt. Beide Einstellungen müssen unabhängig voneinander frei wählbar sein.
Unmittelbar vor der Belichtung wird der Sensor der Kamera durch das Hochklappen des Klappspiegels freigegeben. Leider geschieht diese Bewegung bei vielen Modellen so heftig, dass die Aufnahme durch die hierbei entstehenden Schwingungen verwackelt. Einige Kameramodelle haben deshalb eine Klappspiegel-Vorauslösung. Diese Funktion lässt den Klappspiegel nach oben schwingen und die Belichtung erst starten, wenn die Schwingungen abgeklungen sind. Diese Klappspiegelschwingungen sind eine häufige Ursache für verwackelte Astrofotos.
Die Klappspiegel-Vorauslösung wird in Katalogen und Produktbeschreibungen oft unter Makro-Tauglichkeit geführt, da diese Funktion in der Makro-Fotografie ebenfalls von Bedeutung ist.
Unverzichtbar ist die Verfügbarkeit von T2-Ringen für das gewünschte Kameramodell. Das ist ein Verbindungsring zwischen dem kameraspezifischen Bajonett (der Befestigungsmechanismus von Objektiven an der Kamera) und dem Teleskop bzw. einigen speziell konstruierten Teleobjektiven. Einige Objektive benötigen anstelle eines T2-Ringes einen sog. M42-Adapter. Diese Ringe werden von Zubehörherstellern vertrieben.
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Ein stabiles, schwingungsarmes Stativ ist Grundvoraussetzung für Astrofotografie mit ruhender Kamera. Bei langen Brennweiten und/oder Belichtungen sind zu leichte oder schlecht verarbeitete Stative extrem anfällig für häufig auftretende Störfaktoren, zum Beispiel Wind.
Beschränkt man sich auf kurze bis mittlere Brennweiten bzw. Zoom-Objektive und kleine Spiegelobjektive bis etwa 500 Millimeter Brennweite, sind solide Stative der Kilo-Klasse völlig ausreichend (Abbildung oben links, Gewicht ca. 1,8 Kilo).
Bei längeren Brennweiten und schwereren Optiken empfielt sich die Anschaffung eines schweren, soliden Stativs. Bei Brennweiten ab etwa 500 Millimeter wird die exakte Zentrierung des Motivs schwierig, deshalb sollte ein solches Stativ Feinbewegungen in alle Richtungen haben (Abbildung oben rechts). Die Gesamtkonstruktion sollte sehr solide sein, da bereits die Schwingungen des Klappspiegels langbrennweitige Aufnahmen leicht verwackeln lassen.
Auch wenn es die Werbung oft suggeriert, ist ein hohes Gewicht alleine keine Garantie für eine hinreichende Stabilität. Das Gerät muss insgesamt eine steife, solide Verarbeitung haben. Beim Versuch, ein Stativ durch Bewegung der Beine zu drehen, sollten die Bewegungen der Bauteile untereinander möglichst gering sein. Die maximale Belastbarkeit sollte auch etwas höher als das Gewicht der zu verwendenden Optik sein.
Es muss auch eine absolut steife Verbindung zwischen Kamera und Stativkopf hergestellt werden können. Das stabilste Stativ ist nutzlos, wenn sich die Kamera auf dem Stativkopf leicht bewegen lässt.
Im Falle der Verwendung großer Teleobjektive ist die Verwendung einer astronomischen Montierung überlegenswert. Montierungen werden in Folge neun dieser Serie besprochen.
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Ein Kabel- oder Fernauslöser ist für verwackelungsfreie Aufnahmen mit langen Brennweiten unerlässlich. Selbst die stabilsten Stative und Teleskopmontierungen können die Schwingungen, die beim Auslösen der Kamera direkt am Gehäuse entstehen würden, nicht kompensieren. Der Kabelauslöser ist sicherer als der Selbstauslöser der Kamera, da das Gehäuse mit ihm nicht berührt werden muss.
Beim Auslösen sollte man den Kabelauslöser möglichst weit von der Kamera weghalten, das Kabel allerdings noch ein wenig durchhängen lassen.
Infrarot-Fernauslöser kommen sogar komplett ohne Kabel aus.
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Für den Anfang reicht das Zoom-Objektiv, das zur Grundausstattung der Kamera gehört, ggf. sollte ein mittleres Telezoom mit einer maximalen Brennweite von 200 bis 300 Millimeter hinzugekauft werden. Wir werden in Folge vier dieser Serie sehen, dass Zooms für den Einsatz in der Astrofotografie nur bedingt geeignet sind, aber für den Anfänger durchaus eine gute Wahl sein können.
Moderne Zooms hinken zwar gerade bei Sternaufnahmen in der Abbildungsqualität gegenüber den Festbrennweiten noch ein wenig hinterher, dennoch liefern sie befriedigende Ergebnisse und sind die für den Einstieg preiswerteste Lösung.
Ausserdem können oben genannte Objektive auch in der Alltagsfotografie vielfältig angewendet werden, ihre Anschaffung ist also eine Überlegung wert.
Die Akkus von digitalen Spiegelreflexkameras haben gerade bei niedrigen Temperaturen eine stark reduzierte Leistungsfähigkeit. Sie sollten vor jeder Fotosession frisch aufgeladen werden. Gegebenenfalls sollte man einen Reserveakku mitnehmen, sofern die Kamera lange eingeschaltet bleiben soll oder man mehrere lange Belichtungen vorgesehen hat.
Die Wahl eines geeigneten Beobachtungsplatzes ist für eine erfolgreiche Astrofotografie genauso wichtig wie die Ausrüstung selber. Die beste und teuerste Ausrüstung kann ihr Potenzial nicht entfalten, wenn der Himmel künstlich aufgehellt ist oder die Luftturbulenzen der benachbarten Straße oder Häuser jedes Mondbild verschwimmen lassen. Teleskope reagieren wegen ihrer größeren Öffnung auf schlechte Umgebungsbedingungen sogar noch anfälliger als Kameraobjektive. Das Seeing hängt in erster Linie von der Öffnung ab, da mit zunehmender Öffnung mehr Turbulenzzellen, die das Bild wabern lassen, gleichzeitig erfasst werden.
Der ideale Beobachtungsplatz für die Astrofotografie weist folgende Eigenschaften auf:
Ein möglichst dunkler Himmel ist das A und O einer erfolgreichen Astrofotografie. Für alle Bereiche, ausgenommen Mond, Planeten und Finsternisse, ist ein dunkler Himmel eine unabdingbare Voraussetzung für vernünftige Ergebnisse. Bei langen Belichtungszeiten, in der Stadt bereits bei etwa 30 Sekunden, machen sich Aufhellungen des Himmels in Form von Farbstichen bzw. eines nicht ganz schwarzen Himmelshintergrundes bemerkbar. Ausserdem werden schwache Sterne nicht mehr erfasst.
Bereits der Halbmond macht langbelichtete Astrofotografie schwer bis unmöglich.
Der Standort sollte also möglichst fernab von störenden Lichtquellen gewählt werden. Größere Städte beeinflussen mit ihrer Lichtverschmutzung die Qualität von Astrofotos im Umkreis von einigen Kilometern. Lässt sich eine relative Nähe zu störenden Lichtquellen beim besten Willen nicht vermeiden, sollte der Standort so gewählt werden, dass sich die Lichtquelle nördlich des Beobachters befindet, da sich ein Großteil der interessantesten Himmelsregionen und -objekte in südlicher Richtung befinden.
Eine gute Durchsicht ist ebenfalls wichtig. Dunst und Staub in der Atmosphäre beeinflussen den Blick in den Himmel beträchtlich. Bei dunstigem Himmel und/oder staubiger Atmosphäre kann man trotz absoluter Dunkelheit lichtschwache Objekte mitunter nicht richtig erkennen.
Staub und Dunst verursachen auch einen Schärfeverlust bei Mondaufnahmen: Sein Licht strahlt die Dunst- und Staubschichten von hinten an, das Licht wird an ihnen diffus gestreut.
Die Dicke der Dunst- und Staubschichten nehmen mit zunehmender Höhe über dem Meeresspiegel ab, das erkennt man sehr deutlich beim Steigflug in Flugzeugen: Ab einer bestimmten Höhe erscheint die Atmosphäre unter dem Flugzeug schmutzig braun-grau. Bereits in Mittelgebirgen hat man einen enormen Gewinn an Durchsicht und Reinheit der Atmosphäre.
In größerer Höhe über dem Meeresspiegel sind also grundsätzlich bessere Resultate zu erwarten als auf dem Land. Aus diesem Grund stehen Großobservatorien auch in der Regel auf hohen Bergen mit trockener Luft. Über und in der Nähe von Städten ist die Luft auch staubiger als fernab von Ballungsgebieten.
Eine ruhige Luft (gutes "Seeing") ist bei Mond- und Sternaufnahmen wichtig, da die Luftunruhe Schärfe und Auflösung von Astrofotos beeinflusst. Nebel und Galaxien werden vom Seeing nicht beeinflusst.
Das Luftflimmern entsteht aufgrund von Bewegungen der Luftschichten. An höher gelegenen Standorten im Gebirge ist also grundsätzlich ein besseres Seeing zu erwarten.
Auf dem Land oder in der Stadt sollten sich Wärmequellen wie Häuser, Straßen etc. nicht in unmittelbarer Nähe zum Beobachtungsplatz befinden. Dies sind Wärmequellen, die das Seeing lokal beeinflussen, ähnlich wie ein Lagerfeuer, über dem man die Luft auch flimmern sieht. Einige Meter Abstand zur Wärmequelle, die sich idealerweise hinter dem Beobachter befinden sollte, sind ausreichend. Das durch die Luftturbulenzen in der Atmosphäre verursachte Seeing lässt sich auf diese Weise nicht umgehen.
Bereits einige zehn Meter über dem Boden, zum Beispiel auf kleinen Anhöhen, ist das Seeing oft bereits sichtbar besser, da die oben genannten kleinräumigen Quellen von Luftturbulenzen nur eine relativ geringe Reichweite haben.
Seeing und Staub/Dunst in der Atmosphäre sind neben der richtigen Standortwahl auch vom Wetter abhängig: Nach einem ausgiebigen Regen ist die Atmosphäre auch auf Meereshöhe weitestgehend staub- und dunstfrei, das Seeing ist in solchen Fällen jedoch häufig wegen Luftturbulenzen extrem schlecht. Umgekehrt ist bei leichtem Dunst das Seeing in aller Regel besser.
Ein guter Beobachtungsplatz befindet sich idealerweise fernab von großen Städten im Gebirge. Astrofotos, die auf hohen Bergen entstehen, fallen in der Regel sichtbar besser aus als von Standorten auf Meereshöhe. Aber auch ein dunkler Platz auf dem Land verspricht sehr gute Ergebnisse. Eine Anhöhe kann störende Einflüsse von bodennahen Luftturbulenzen reduzieren.
Wer nur die Möglichkeit hat, in der Stadt oder ihrer unmittelbaren Umgebung zu beobachten, sollte nach Möglichkeit einen erhöhten Standpunkt wählen und die unmittelbare Nähe zu Straßen, Häusern und Laternen meiden.
In der nächsten Folge behandle ich ISO-Empfindlichkeiten, Belichtungszeiten und den wichtigen Begriff der Lichtstärke.
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| Serie-Inhaltsübersicht | |
| Konzept und Ziele der Serie | |
| Grundausrüstung und der richtige Beobachtungsort | |
| ISO–Empfindlichkeiten und Belichtungszeiten | |
| Objektive vom Weitwinkel bis zum Supertele und ihre Anwendungen in der Astrofotografie | |
| Fokussierung von Astrofotos | |
| Erste Astrofotos mit ruhender Kamera: Der Mond | |
| Erste Astrofotos mit ruhender Kamera: Sternenhimmel, Strichspuren und Konstellationen | |
| Das Einsteigerteleskop für die Astrofotografie und Gebrauchtgeräte | |
| Montierungen | |
| Nachführung und Piggyback-Fotografie | |
| Die Sonne | |
| Deep–Sky–Fotografie I | |
| Deep–Sky–Fotografie II | |
| Kometen | |
| Meteore | |
| Einführung in die Fotografie mit Webcams und verwandten Aufnahmesystemen | |
| Astrofotografie und (Fern-)Reisen | |
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