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Serie "Einführung in die Astrofotografie"

Das Einsteigerteleskop für die Astrofotografie und Gebrauchtgeräte

Astronomische Teleskope gibt es in unzähligen Ausführungen und in allen Qualitäts- und Preisklassen. Der Markt ist nahezu unüberschaubar, und ständig kommen neue Teleskopmodelle und Zubehörteile auf den Markt. In diesem Artikel erläutere ich, worauf bei astronomischen Teleskopen speziell im Hinblick auf die Astrofotografie zu achten ist. Hierbei gehe ich speziell auf Einsteigerteleskope ein.

Das Teleskop allgemein

Jedes Teleskop besteht grundsätzlich aus drei Hauptkomponenten: dem optischen Tubus, der Montierung und dem Stativ. Jedes dieser Teile ist für sich maßgeblich an der Qualität des Systems beteiligt. Die beste Optik ist beispielsweise nutzlos, wenn die Montierung oder das Stativ zu schwach ist und das Gerät instabil wird. Dann verwackelt das Bild sehr leicht und eine sinnvolle Astrofotografie ist unmöglich.

Gerade im Segment der Einsteiger-Teleskope herrscht bei den Herstellern die Philosophie, für möglichst wenig Geld eine möglichst gute Optik anzubieten. Das Resultat ist, dass man häufig eine gute bis sehr gute Optik für sein Geld bekommt, aber die Verarbeitung des optischen Tubus sowie Montierung und Stativ sind in den meisten Fällen von sehr fragwürdiger Qualität. Hier muss man sehr genau auf Material und Verarbeitung achten.

Der optische Tubus

Das ist der wichtigste Teil eines Teleskopsystems, aber auch eine Komponente, mit der man sehr viel falsch machen kann.

Die optische Qualität der Linsen oder Spiegel als solche lässt sich nicht beeinflussen, hier muss man auf Herstellerangaben, besser noch auf Testberichte oder Beiträge in den Internet-Foren, vertrauen. In der Regel ist die Abbildungsleistung gut bis sehr gut.

Die volle Leistung kann eine Optik erst nach einer Justage entfalten. Mit dieser Aufgabe sind Anfänger häufig überfordert. Ich erwähne es dennoch in dieser Einsteigerserie, da die Justage ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist.

Billige Einsteigergeräte, insbesondere die berüchtigten „Kaufhausteleskope“, haben meistens keine Möglichkeit, die Optik nachzujustieren. Hier kann man nur hoffen, dass die Optik ab Werk korrekt justiert wurde und sich bei Transporten und leichten Stößen sich nichts verstellt (das passiert gerade bei mechanisch einfachen Verarbeitungen schneller, als man denkt).

Die Optik sollte also justierbar sein. Geräte der mittleren bis höheren Preisklasse sind in der Regel ab Werk vorjustiert, eine Neujustage ist nur ab und zu nötig.

Der Okularauszug ist ein weiteres wichtiges Qualitätskriterium. An ihm wird bei der Fotografie die Kamera befestigt, so dass von ihm die Stabilität des Fokus über einen längeren Zeitraum abhängt.

Der Okularauszug darf kein Spiel haben. Das heisst, dass der innere Teil im äusseren Rohr auch ausgefahren nicht hin- und herwackeln darf. Dies hätte ein Abkippen der angesetzten Kamera zur Folge. Die Fokalebene liegt dann nicht mehr parallel zum Sensor, und das Bild wird stellenweise unscharf. Die Kamera sollte idealerweise mit zwei Schrauben befestigt werden, da bei nur einer Schraube die Gefahr besteht, dass die Kamera leicht abkippt.

Ein wichtiges Detail sind Fixierschrauben. Das sind Schrauben, die von aussen durch das Aussenrohr des Okularauszuges geschraubt werden und hierbei gegen das ausziehbare Innenrohr drücken. Die Einstellung des Fokus wird hierbei fixiert. Ohne Fixierschraube ist die Gefahr groß, dass sich der Fokus mit einer angesetzten Kamera verstellt, wenn die Schwerkraft auf die Kamera wirkt.

Das Foto zeigt einen gut verarbeiteten Okularauszug. Man erkennt deutlich die Fixierschrauben für das Auszugsrohr (oberhalb der blauen Plakette) und die Kamera (hier wird damit ein Zenitspiegel befestigt).

Okularauszug
Vorbildlich konstruierter Okularauszug. Erläuterungen siehe Text. Foto mit freundlicher Genehmigung von Familie Worm (www.familie-worm.de)

Billige Einsteiger-Teleskope, insbesondere Kaufhausteleskope, haben häufig keine Fixierschrauben, und der Okularauszug hat oft ein merkliches Spiel.

Um den Fokus möglichst einfach zu finden, sollte der Okularauszug nicht zu leicht-, aber auch nicht zu schwergängig sein.

Die Montierung

Die Montierung ist maßgeblich für die Stabilität des Gesamtsystems verantwortlich. Ist eine Montierung zu schwach, ist eine hinreichende Stabilität nicht gewährleistet. Das Teleskop wird instabil, und die Gefahr, dass ein Foto bereits durch kleinste Störeinflüsse verwackelt, steigt beträchtlich. Bei einer bestimmten zur Verfügung stehenden Geldsumme sollte man lieber eine kleinere Optik wählen und mehr Geld in eine stabile, solide Montierung investieren.

Bedenken Sie bitte, dass man einer Montierung die Stabilität oder Instabilität nicht ansieht. Man sollte das Gerät daher wenn möglich vor dem Kauf testen.

Das folgende Foto zeigt eine fototaugliche parallaktische Montierung.

fototaugliche Montierung
Eine fototaugliche parallaktische Montierung, Erläuterungen siehe Text. Foto mit freundlicher Genehmigung von Familie Worm (www.familie-worm.de).

Billige Einsteiger-Teleskope und Kaufhausteleskope haben in aller Regel keine Montierungen, die stabil genug für die Astrofotografie sind. Bei dieser Klasse von Fernrohren wird meistens an der Montierung gespart, um dem Kunden für wenig Geld eine möglichst gute und somit eine für die gegebene Montierung oft zu große Optik zu liefern.

Das unten stehende Foto zeigt eine einfache, azimutale Montierung. Solche einfachen Konstruktionen eignen sich zwar für die ersten Beobachtungen an hellen Objekten, für die Fotografie sind sie jedoch kaum verwendbar. Bei solchen Kaufhausteleskopen knickt die Montierung mitunter beim Ansetzen der Kamera durch das Gewicht des Kameragehäuses ab. Eine gute Feineinstellung der Achsen ist Erfahrungsberichten zufolge nur spärlich realisiert.

einfache azimutale Montierung
Das Foto zeigt eine einfache, azimutale Montierung, wie sie auch häufig bei Kaufhausteleskopen verwendet wird. Erläuterungen siehe Text. Foto mit freundlicher Genehmigung von Volker Gringmuth (www.einklich.net)

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Möglichkeit der Nachführung in beiden Achsen. Sofern man nur kurzbelichtete Astrofotos von Sonne, Mond und Planeten anfertigen möchte, reicht eine Nachführung in Rektaszension aus. Die Nachführung muss auf elektrischem Wege Feinkorrekturen in Rektaszension und Deklination ermöglichen. Eine Korrektur per Hand ist riskant, da hier die Gefahr groß ist, dass das Bild verwackelt.

Zur Zeit werden die GoTo-Montierungen, die eine automatische Objektpositionierung und Nachführung ermöglichen, mehr und mehr bei Einsteigerteleskopen eingesetzt. Diese haben in der Regel eine sehr präzise Nachführung.

Die Nachführung astronomischer Teleskope wird in Folge zehn dieser Serie ausführlich besprochen.

Azimutale oder parallaktische Montierung?

Es gibt so genannte azimutale und parallaktische Montierungen − dies ist das Haupt-Unterscheidungskriterium astronomischer Montierungen.

Azimutale Montierungen funktionieren wie ein Fotostativ und haben zwei Achsen, mit denen die Ausrichtung vertikal und horizontal verstellt werden kann. Die Nachführung ist sehr aufwändig und wird in der Regel von Computersteuerungen übernommen.

Parallaktische Montierungen haben zwei Achsen, von denen eine auf den Himmelspol ausgerichtet wird. Es wird dann nur in Rektaszension nachgeführt, in Deklination sind je nach Ausrichtung der Montierung nur geringfügige Kontrollen nötig.

Preiswerte azimutale Montierungen lassen sich in der Regel nicht automatisch nachführen. Sie eignen sich daher nur für die Fotografie mit ruhender Kamera. Alternativ lässt sich auch ein stabiles Fotostativ verwenden, sofern die Optik über einen entsprechenden Anschluss verfügt. Gute Fotostative sind in der Regel stabiler als preiswerte azimutale Teleskopmontierungen.

Bei der Piggyback-Fotografie, die in Folge zehn dieser Serie ausführlich beschrieben wird, lässt sich eine stabile parallaktische Montierung mit einem kurzbrennweitigen Objektiv noch per Hand nachführen. Die einfachen parallaktischen Montierungen von Kaufhausteleskopen sind hierfür jedoch in der Regel nicht stabil genug.

Auf Montierungen wird in der nächsten Folge dieser Serie ausführlich eingegangen.

Das Stativ

Das Staitv muss stabil genug sein, um die Montierung und den Tubus schwingungsfrei tragen zu können. Viele Stative werden instabil, wenn die Beine weit ausgefahren werden, man sollte sie daher nur so weit wie nötig ausfahren.

Holzstative sind schwingungsärmer als Metallstative, jedoch können bei ihnen die Schraubgewinde, mit denen ausfahrbare Beine fixiert werden, schneller ausleiern und das Stativ somit instabil werden.

Gebrauchtgeräte

Für Gebrauchtgeräte gelten grundsätzlich die gleichen Auswahl- und Qualitätskriterien, die in diesem Artikel beschrieben wurden. Beim Kauf von Gebrauchtgeräten sollte man das Gerät nach Möglichkeit selbst abholen und vor dem Kauf testen.

Eine Optik bzw. optische Elemente behalten auf Ewigkeit ihre Qualität, sofern sie gepflegt werden und sorgsam mit ihnen umgegangen wird, insbesondere beim Transport. Eine Optik kann also so gut wie gar nicht von heute auf morgen kaputt gehen.

Anders verhält es sich bei mechanischen und elektronischen Bauteilen. Diese unterliegen selbst bei hervorragender Verarbeitung und Qualität langfristig gesehen einem Verschleiss bzw. sind im Falle von elektronischer Ausstattung irgendwann technisch überholt. Beim Kauf sollte man also insbesondere die oben beschriebenen anfälligen Komponenten sorgfältig inspizieren. Hier kann man sonst schnell die Katze im Sack kaufen.

Beanspruchungen durch Stöße oder Herunterfallen erkennt man einfach, aber einer elektronischen Komponente, die einwandfrei arbeitet, sieht man nicht an, ob sie kurz vor dem Ende ihrer Lebensdauer steht oder noch jahrelang hält. Grundsätzlich ist Vorsicht geboten, wenn eine Montierung oder elektrische Komponente Spuren starker mechanischer Beanspruchung zeigt.

Zusammenfassung

Ein gutes Teleskop für die Astrofotografie bedarf neben einer exzellenten Optik auch einer stabilen, robusten und schwingungsarmen Kombination aus Montierung und Stativ, die sich elektronisch der täglichen Bewegung des Himmels nachführen lässt.

Kaufhausteleskope eignen sich zwar für die visuelle Beobachtung einfacher, leicht zu findender Himmelsobjekte, für die Astrofotografie sind sie mangels Stabilität jedoch untauglich.

Gebrauchtgeräte können eine günstige Wahl sein, sollten jedoch vor dem Kauf sehr genau inspiziert werden.

In der nächsten Folge bespreche ich ausführlich die gängigen Teleskopmontierungen.

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Serie-Inhaltsübersicht
Teil 1:Konzept und Ziele der Serie
Teil 2:Grundausrüstung und der richtige Beobachtungsort
Teil 3:ISO–Empfindlichkeiten und Belichtungszeiten
Teil 4:Objektive vom Weitwinkel bis zum Supertele und ihre Anwendungen in der Astrofotografie
Teil 5:Fokussierung von Astrofotos
Teil 6:Erste Astrofotos mit ruhender Kamera: Der Mond
Teil 7:Erste Astrofotos mit ruhender Kamera: Sternenhimmel, Strichspuren und Konstellationen
Teil 8:Das Einsteigerteleskop für die Astrofotografie und Gebrauchtgeräte
Teil 9:Montierungen
Teil 10:Nachführung und Piggyback-Fotografie
Teil 11:Die Sonne
Teil 12:Deep–Sky–Fotografie I
Teil 13:Deep–Sky–Fotografie II
Teil 14:Kometen
Teil 15:Meteore
Teil 16:Einführung in die Fotografie mit Webcams und verwandten Aufnahmesystemen
Teil 17:Astrofotografie und (Fern-)Reisen

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20.12.2006 23:45 Uhr, Christian Leu

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