Das neue Jahrhundert, das neue Jahrtausend
Das neue Jahrhundert und das neue Jahrtausend
Am 1. Januar beginnt das neue Jahrtausend
Ab dem 1.1.2001 endet die Verwirrung darüber, ob wir nun im 20. oder 21. Jahrhundert - bzw. im 2. oder 3. Jahrtausend leben. Der Neujahrstag des Jahres 2001 wird zweifellos ein Tag im 21. Jahrhundert und im 3. Jahrtausend sein. In diesem Artikel wird ein astronomischer Blick in das neue Jahrhundert und - soweit möglich - auch in das neue Jahrtausend gewagt. Manche Ereignisse lassen sich schon heute auf Sekunden genau vorhersagen, andere treffen nur mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit ein.
Für einen Teil des Blicks in die Zukunft bietet die moderne Astronomie gute Mittel zur Vorhersage. Die Positionen der seit längerem bekannten Objekte in unserem Planetensystem lassen sich gut viele Jahrhunderte in die Zukunft vorausberechnen. Zu diesen vorhersagbaren Ereignissen gehören auch die Sonnenfinsternisse, die grosses Aufsehen erregen. Eine andere Klasse von Himmelserscheinungen, nämlich das Auftauchen von Kometen, lassen sich nur teilweise vorhersagen.
Es sind heute zu wenige Kometen bekannt, so dass sich spektakuläre Kometenerscheinungen nur unvollständig auf einer längerfristigen Zeitskala vorhersagen lassen. Etwa ähnlich verhält es sich mit unserer technischen Entwicklung: Wir können zwar gewisse Tendenzen erkennen, aber nur schwer vorhersagen, wie lange es dauert, bis eine bestimmtes Ereignis, z.B. ein bemannter Marsflug, eintritt. Wir beginnen bei unseren Betrachtungen zunächst mit den am zuverlässigsten vorhersagbaren Ereignissen: den
Bewegungen von Sonne, Mond und Planeten.
Sonne und Mond
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Totale Sonnenfinsternisse mit über 7 Minuten Dauer
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Datum Zeit (UTC) geogr. Länge Breite Pfadbreite Dauer
25. Jun 2150 0:12:55.0 177d53.2m E 18d16.5m N, 262.6km, 7m18.9s
5. Jul 2168 7:40:20.5 66d07.0m E 13d12.7m N, 266.8km, 7m31.0s
16. Jul 2186 15:09:16.3 46d46.6m W 7d26.0m N, 270.1km, 7m34.1s
27. Jul 2204 22:38:17.5 160d25.4m W 0d57.9m N, 272.3km, 7m26.9s
8. Aug 2222 6:10:13.1 84d34.5m E 5d58.7m S, 273.6km, 7m10.3s
2. Jun 2486 17:35:49.1 79d36.4m W 1d45.6m N, 266.4km, 7m03.4s
14. Jun 2504 1:10:17.3 166d21.6m E 1d53.2m S, 278.1km, 7m14.8s
25. Jun 2522 8:41:51.5 52d27.0m E 6d37.1m S, 290.4km, 7m17.2s
5. Jul 2540 16:11:22.0 61d39.2m W 12d24.4m S, 303.8km, 7m08.3s
12. Jun 2849 1:34:10.5 155d40.1m E 9d00.3m S, 289.4km, 7m04.3s
23. Jun 2867 9:08:07.4 40d53.9m E 4d04.9m S, 282.5km, 7m14.6s
3. Jul 2885 16:38:42.9 72d24.2m W 0d05.3m N, 275.7km, 7m15.7s
16. Jul 2903 0:07:46.2 175d13.9m E 3d22.4m N, 268.4km, 7m08.3s
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Totale Sonnenfinsternisse mit über 7 Minuten Dauer
im 3. Jahrtausend.
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Die relativen Positionen von Erde, Sonne und Mond können sehr genau für Jahrhunderte im Voraus berechnet werden. Deshalb ist es möglich, zuverlässige Prognosen für künftige totale Sonnenfinsternisse machen zu können.
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Totale Sonnenfinsternis
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Ringförmige Sonnenfinsternis
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Anblick einer totalen und einer ringförmigen Sonnenfinsternis
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Wenn vorhergesagt werden soll, an welchem Ort genau eine bestimmte totale Sonnenfinsternis am längsten dauert, spielt auch die Drehung der Erde um ihrer Achse eine Rolle. Wenn man die Drehung der Erde unberücksichtigt lässt, weiss man zwar, wann die Erde vom Mondschatten getroffen wird, aber nicht, wo auf der Erde: Die Erde wird in der Rotation um ihre Achse durch die Gezeitenwirkung des Mondes langsam abgebremst. Auch Verlagerungen von Gesteinsmassen oder die Verlagerung von Wassermengen bewirken kleine Änderungen der Tageslänge. Diese Verlagerungsprozesse auf bzw. in der Erde lassen sich nicht vorhersagen. Somit bleibt die Tageslänge mit einer kleinen Unsicherheit behaftet. Diese verhindert es, dass der Pfad einer totalen Sonnenfinsternis präzise auf lange Sicht vorhergesagt werden kann.
Hingegen kann das Ereignis des Auftretens einer Finsternis in globaler Betrachtungsweise, d.h. unabhängig von der Geografie, selbst für lange Zeiträume in die Zukunft berechnet werden.
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Ringförmige Sonnenfinsternisse mit über 10 Minuten Dauer
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Datum Zeit (UTC) Länge Breite Pfadbreite Dauer
15. Jan 2010 7:06:23.8 69d19.7m E 1d37.5m N, 330.2km, 11m01.4s
26. Jan 2028 15:07:24.4 51d28.3m W 2d57.7m N, 320.1km, 10m21.0s
19. Dec 2131 17:02:52.3 72d56.0m W 7d33.1m N, 318.2km, 10m07.7s
30. Dec 2149 1:08:35.0 164d29.9m E 8d34.6m N, 331.2km, 10m34.9s
10. Jan 2168 9:14:01.1 41d52.2m E 10d19.0m N, 340.6km, 10m47.7s
20. Jan 2186 17:18:07.0 80d35.1m W 12d47.4m N, 346.9km, 10m46.1s
2. Feb 2204 1:19:12.0 157d30.9m E 16d01.3m N, 350.3km, 10m31.5s
12. Feb 2222 9:16:26.1 36d21.5m E 19d57.7m N, 352.1km, 10m07.3s
28. Dec 2494 0:59:17.8 160d54.7m E 6d56.4m N, 320.3km, 10m15.2s
8. Jan 2513 9:04:05.0 38d42.7m E 7d01.7m N, 325.8km, 10m18.4s
19. Jan 2531 17:08:52.0 83d28.1m W 7d54.4m N, 328.6km, 10m10.5s
16. Dec 2848 19:33:37.7 114d44.9m W 23d39.4m S, 286.3km, 10m06.7s
28. Dec 2866 3:29:33.9 127d42.9m E 24d21.3m S, 294.8km, 10m13.7s
7. Jan 2885 11:29:13.7 9d16.2m E 23d55.0m S, 301.3km, 10m14.0s
19. Jan 2903 19:29:22.2 109d27.5m W 22d33.4m S, 304.8km, 10m06.9s
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Ringförmige Sonnenfinsternisse mit über 10 Minuten Dauer
im 3. Jahrtausend.
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Wir möchten nun einen Blick auf die künftigen grossen Sonnenfinsternisse des 3. Jahrtausends werfen. Zum Vergleich: Die letzte totale Sonnenfinsternis im 2. Jahrtausend, diejenige vom August 1999, hat nur gerade etwas länger als 2 Minuten gedauert.
Spektakuläre Konstellationen der Planeten
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Die nächste gegenseitige Bedeckung zweier Planeten findet erst wieder am 11. August 2079 statt. Dargestellt ist die teilweise Bedeckung von Jupiter durch Mars im Jahre 2223 (2. Dezember). © A. Barmettler
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Die Planeten bewegen sich im Laufe von Tagen und Wochen merklich vor dem Hintergrund der (fast) stillstehenden Sterne der Sternbilder. Manchmal begegnen sie sich auf ihrer Wanderung. Der Astronom spricht von einer Konjunktion: Die Erde und die (beiden) Planeten stehen dann fast auf einer Linie. Momentan stehen die Planeten Jupiter und Saturn noch recht nahe beieinander. Allerdings fand der Zeitpunkt des kleinsten Abstandes im vergangenen Mai statt. Es handelt sich um die beiden auffälligen Sterne, die zur Zeit (November 2000) am Abend im Osten zu sehen sind.
Richtig spektakulär werden diese Konstellationen aber erst, wenn der Abstand sehr gering wird und der eine Planet den anderen verdeckt. Solche Ereignisse sind selten, besonders, wenn man noch zusätzlich fordert, dass das Ereignis wenigstens für ein paar Beobachter in der tiefen Dämmerung oder in der Nacht stattfinden soll, d.h. mit optischen Mitteln beobachtbar ist. Die enge Begegnung von Jupiter und Venus vom vergangenen Mai 2000 fand ungünstig Nahe bei der Sonne statt und führte deshalb nicht zu einer für jedermann sichtbaren Begegnung. Nur erfahrene Amateurastronomen konnten durch das Teleskop am Taghimmel sehen, wie sich die Scheiben der beiden Gestirne beinahe berührten.
Kleinste Distanzen zwischen Erde und Mars
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Mars im 1995
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Mars im 2003
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Unterschiedliche Ansichten von Mars zu verschiedenen nächsten Annäherungen. © A. Barmettler
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Ob man mit einem Fernrohr viele Details auf einem Planeten erkennt, hängt neben dem Zustand der Erdatmosphäre und dem verwendeten Teleskop besonders von der Distanz des Planeten von der Erde ab. Beispielsweise können Sie von einer Sternwarte aus nur dann Oberflächendetails auf dem Mars erkennen, wenn seine Distanz zur Erde maximal etwa 2/3 der Distanz Erde-Sonne beträgt. Je näher, desto besser. Alle 2 Jahre und 2 Monate überholt die schneller um die Sonne kreisende Erde den etwas langsameren Mars. Dann ist auch die Distanz zwischen den beiden Planeten jeweils am geringsten, und Mars bietet in mittleren Amateurfernrohren einen interessanten Anblick.
Kleinste Distanzen zwischen Erde und Venus
Doch ist der Mars nicht Rekordhalter im Erreichen der Minimaldistanz zwischen der Erde und einem Planeten. Die Venus kann uns noch etwas näher kommen als der Mars, wenn sie auf ihrer Bahn zwischen uns und der Sonne steht. Diese sogenannte untere Konjunktion kann für ein weiteres Jahrhundertereignis sorgen. Befinden sich Sonne, Venus und Erde sehr genau in einer Linie, deckt die Venus einen kleinen Teil des Sonnenlichts ab. Sie erscheint als im Laufe von Stunden über die Sonnenscheibe ziehender dunkler Punkt. Ein solcher Venustransit ist ein sehr seltener Anblick. Das 20. Jahrhundert ging vollkommen leer aus. Somit gehören auch die Venustransits zu den Jahrhundertereignissen. Der nächste Venustransit findet bereits 2004 statt.
Wann kommt der nächste spektakuläre Komet?
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Der helle Komet Hale-Bopp im Jahre 1997. © R. Brodbeck
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Eine in Sternwartenführungen oftmals gestellte Frage lautet: "Wann werden wir den nächsten mit Hale-Bopp vergleichbaren Kometen sehen?". Leider lässt sich diese Frage fast nur mit Statistik beantworten. Der Komet des 21. Jahrhunderts oder des 3. Jahrtausends befindet sich als viele Kilometer grosser Klumpen aus Eis, Trockeneis und anderen Substanzen in den kalten Tiefen jenseits der Neptunbahn. Noch können unsere Instrumente diese, ein paar bis wenige Dutzend Kilometer grossen "Eisberge" am Rand unseres Planetensystems nicht entdecken. Nur die seltenen, ein paar hundert Kilometer grossen Brocken können dort draussen gesehen werden. Alle bisher entdeckten Kometen befinden sich auf Bahnen, die sie im 3. Jahrtausend sicher nie so nahe an die Sonne führen, dass es zu einer Kometenerscheinung kommen würde.
Ebenso lässt sich der Einschlag eines kleinen Asteroiden (ein im Sonnensystem treibender Fels oder Berg) nicht auf den Tag genau vorhersagen. Man weiss nur, dass alle bekannten grösseren Asteroiden z.Z. nicht auf Kollisionskurs mit der Erde sind. Trotzdem sagt die Statistik der Einschläge, dass es im 3. Jahrtausend ein paar wenige Male zu einem Ereignis kommen wird wie demjenigen von 1908, als ein in 10 km Höhe explodierender Asteroid von 50 bis 70 Meter Grösse Tausende von Quadratkilometern Wald in Sibirien zerstörte.
Mit den Erfahrungen von 1999 muss man wohl davon ausgehen, dass die totale Sonnenfinsternis vom 3. September 2081 für den deutschen Sprachraum das herausragendste Ereignis für eine breite Öffentlichkeit sein wird. Vielleicht wird es mit der zunehmenden Mobilität immer weniger wichtig, eine totale Sonnenfinsternis vor der eigenen Haustüre zu haben und somit schon viel früher möglich, eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Daneben hat das 21. Jahrhundert auch weitere seltene Ereignisse zu bieten, wie z.B. die beiden Venustransits - ein Ereignis, dass im 20. Jahrhundert nie stattfand. Auch wird bestimmt der eine oder andere schöne Komet den Sternenhimmel des 21. Jahrhundert zieren.