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· Einleitung · Bewegung · Sternkarten · Helligkeitsprognose ·

Der Komet des Jahres 2000

Bewegung des Kometen am 22.7.2000
Bewegung des Kometen am
22.7. in 1.5h. © R. Brodbeck

Nachdem der Komet nach dem 20. Juli doch noch gut mit einem Fernglas erkennbar war, änderte sich sein Verhalten gegen Ende Juli dramatisch. Der Komet brach auseinander und verlor rasch an Helligkeit. Nur selten kann die Wissenschaft beobachten, wie sich ein Himmelskörper innert Tagen praktisch in Nichts auflöst.

Der Komet C/1999 S4 (LINEAR) wurde von LINEAR (Lincoln Near Earth Asteroid Research) Ende September 1999 entdeckt.

Tod eines Kometen

Komet Linear am 22.7.2000
Komet Linear am 22. Juli. © R. Brodbeck

Etwa am 26. Juli 2000 begann sich der Kern des Kometen C/1999 S4 aufzulösen. Bereits am ersten August waren die Reste nur noch mit einem Teleskop oder mit einem astronomischen Fernglas erkennbar. Danach ging die Helligkeit sehr schnell weiter zurück. Das Hubble Weltraumteleskop konnte den Sachverhalt klären. Der Kometenkern wurde in einen Regen von vielen kleinen Bruchstücken zerlegt. Dieses Ereignis ermöglichte den Astronomen einen Einblick in den inneren Aufbau eines Kometenkerns. Die Auflösung von Komet Linear in kleine Bruchstücke spricht dafür, dass die Kometenkerne aus festen, eisartigen Klumpen - den sogenannten Kometesimalen – bestehen. Diese kleben irgendwie aneinander und bilden so den Kometenkern. Diese Kometesimale sind nur ein paar Dutzend Meter im Durchmesser gross. Sie wurden nun auf einem vom Weltraumteleskop gemachten Bild des zerbrochenen Kerns gesichtet. Die Kometesimale sind auf diesem Bild als einzelne Mini-Kometen zu sehen.

War Linear eine Scheibe?

Wenn ein eher runder Kern in ein paar wenige Bruchstücke zerfällt, steigt die Helligkeit des Kometen, da die Oberfläche grösser wird und mehr Material in den Weltraum verdampfen kann. Bei Linear hingegen ging die Helligkeit nach dem Auseinanderbrechen rasch zurück. Das könnte so erklärt werden, dass der Kern schon von Anfang an alles andere als rund war. Vielleicht kann man sich ihn als so etwas wie eine Scheibe vorstellen.

Die Scheibenform würde auch erklären, warum Linear einen relativ langen Schweif hatte. Ein langer Schweif würde auf einen grossen Kern hinweisen. Eine Scheibe hat wenig Masse aber eine grosse Oberfläche. Somit kann trotz geringer Masse viel Kometenmaterial auf einmal verdampfen und so einen grossen, runden Kern vortäuschen. Das Material der Scheibe geht in der sengenden Sonne – der Komet war vor dem Auseinanderbrechen der Sonne um 1/3 näher als wir - rasch zur Neige und die Scheibe zerfällt. Es bliebt nur noch ein Schwarm von frei fliegenden, noch nicht völlig verdampften Kometesimalen übrig. Dieser Schwarm erscheint im Teleskop als diffuse längliche Wolke, die rasch an Helligkeit verliert.

Komet C/1999 S4 (LINEAR) gibt es also nicht mehr. Nur wenige der Kometesimale von Linear werden es zurück in die kalten Tiefen des Weltraums weit weg von der Hitze der Sonne schaffen. Die anderen Überreste - Staub und Gas - werden sich rasch in den Tiefen des Raums verlieren.

 

Die Graphik zeigt die Entwicklung der Helligkeit des Kometen C/1999 S4 (LINEAR). Nach dem Auflösung des Kerns am 26. Juli geht die Helligkeit innerhalb wenigen Tagen dramatisch zurück und verlässt den vorhergesagten, in der Graphik gelb dargestellten Bereich.

Bild des Hubble-Weltraumteleskops

Tabellen und Karten vom Juli 2000!

Übersicht

Geschrieben vor dem Auseinanderbrechen des Kometen.
Der Komet ist jetzt nicht mehr beobachtbar.

CCD-Bild des Kometen P/1999 S4 (LINEAR)
Bild 1: CCD-Bild des Kometen C/1999 S4 vom 21. Juli 2000 .
© A Barmettler

Der aus den tiefen des Weltraums jenseits der Planetenbahnen stammende Eisberg wird am 24. Juli 2000 seinen sonnennächsten Bahnpunkt durchlaufen. Dabei wird er der Sonne etwa so nahe kommen wie der Planet Venus oder 2/3 der Distanz Sonne - Erde. Eigentlich wäre der Komet keine besondere Erscheinung, doch will es der Zufall, dass die Erde zum Zeitpunkt der geringsten Distanz von C/1999 S4 (LINEAR) zur Sonne so stehen wird, dass der Komet etwas zwischen Sonne und Erde und nicht etwa jenseits der Sonne sein wird (siehe Fig. 1). Das bedeutet, dass der Komet zum Zeitpunkt seiner grössten Aktivität auch in relativ geringen Abstand von der Erde befinden wird. Somit wird der Komet trotz seiner Kleinheit für kurze Zeit ziemlich gut zu beobachten sein. Dieses nur ein paar Tage dauerndes Zeitfenster wird, wenn wir am Abend und ohne störendes Mondlicht beobachten möchten, nur ca. vom 21. Juli bis 29. Juli dauern. In dieser Zeit wird sich im Fernglas in nordwestlicher Richtung ein nebliger kleiner Fleck zeigen. Wenn die Augen an die Dunkelheit angepasst sind, und kein künstliches Licht den Nordhimmel aufhellt, kann man einen schwachen, steil in die Höhe zeigenden Schweif sehen. Im Amateurteleskop wird der Komet ein schöner Anblick sein, man wird möglicherweise auch Details im Schweif erkennen können.

 

Was ist ein Komet?

Kometen - besser gesagt ihre Kerne - können als schmutzige Schneebälle bezeichnet werden. Sie bestehen aus verschiedenen gefrorenen, leicht flüchtigen Stoffen wie Wassereis, Trockeneis, Ammoniakeis und Kohlenwasserstoffen vermischt mit Gesteinspartikeln. Diese ein paar wenige Kilometer im Durchmesser grossen Körper stammen noch aus der Enstehungszeit des Sonnensystems. Billionen solcher schmutziger Schneebälle kreisen in sehr grosser Entfernung um die Sonne. Ein paar wenige Kometenkerne wurden durch eine Störung auf eine langgestreckte Ellipsenbahn um die Sonne gezwungen. Diese Bahn bringt sie nun so nahe an die Sonne wie es die Erde ist oder sogar noch näher. Bei der Annäherung an die Sonne beginnen die gefrorenen Stoffe wie Wasser, Trockeneis und Ammoniak zu verdampfen. Um den Kometenkern bildet sich eine dünne Gashülle, die als Koma bezeichnet wird. Diese Koma kann je nach Menge der vom Kern ausgestossenen Gase ein paar 10'000 bis ein paar 100'000 Kilometer gross werden. Zum Vergleich: Der Mond umkreist die Erde in ca. 400'000 km Entfernung.

Komet Hale-Bopp

Der Komet Hale Bopp am 31. März 1997. Ausschnitt aus einer Aufnahme auf Kodak Ektar 1000 mit 200 mm Teleobjektiv f=4.0. Aufnahmeort ca. 8 Grad 50' Ost und 47 Grad 40' Nord. © Roland Brodbeck.

Nähert sich der Komet weiter der Sonne und produziert er genug Gas, wird die Gashülle durch den Sonnenwind - ein dauernder von der Sonne ausgehender Strom geladener Teilchen wie Elektronen und Protonen - deformiert. Es bildet sich schliesslich ein blaugrün fluoreszierender Gasschweif, der stets von der Sonne weg gerichtet ist. Der Gasschweif wird auch als Ionenschweif bezeichnet, da die Gasmoleküle vom UV-Licht der Sonne ionisiert werden.

Die festen Bestandteile eines Kometen - also Staub und kleine Gesteinskörner - werden durch die Verdampfung des Kometenkerns auch freigesetzt. Der dadurch entstehende Staubschweif von der Sonne ist ebenfalls von der Sonne weggerichtet. Die Staubkörner reagieren träge auf den Lichtdruck der Sonne. Je schwerer das Staubkorn ist, desto langsamer wird es aus der Koma weggestossen. Dadurch werden schwere von leichten Teilchen getrennt. Der Staubschweif erscheint deshalb weiter aufgefächert als der Gasschweif. Ausserdem ist er gekrümmt, da sich die Staubteilchen wesentlich langsamer vom Kometen weg bewegen, als die Gasteilchen. Bei grossen Kometen wie Hale-Bopp kann der Schweif bis zu 100 Mio. km verfolgt werden, bei alltäglicheren Kometen wie C/1999 S4 (LINEAR) sind es aber dennoch etliche Millionen Kilometer.

 

Wie findet man den Kometen

Sternkarte zur Bewegung des Kometen C/1999 S4 (LINEAR)

Der Komet bewegt sich vom 20. - 30. Juli 2000 zwischen den Sternbildern Gr. Wagen und Löwe (gösser, invers). Sternkarte von CalSky.

Einen ersten groben Überblick über den Sternenhimmel im Juli Richtung Norden gibt Ihnen die Sternenhimmelseite des Monatsbulletins. Genau so, wie man den Polarstern mit Hilfe des grossen Wagens findet, kann man auch zwischen dem 20. und 29. Juli den Himmelswagen zur Aufsuche des Kometen verwenden. In der Karte links ist mit grünen Pfeilen eingezeichnet, wie man die durch zwei Sterne vorgegebene Richtung verlängert, um seinen Blick zum Komet zu lenken.

Der Komet bewegt sich von Tag zu Tag ein gutes Stück weiter. Die als weisser Punkt und mit einer grünen Linie verbundenen Positionen in der Sternkarte von Fig. 2 stimmen jeweils exakt um 23 Uhr Sommerzeit am angegebenen Datum. Blickt man nun in die richtige Richtung, sollte man den Kometen bei klarem dunklem Himmel als schwaches, unscharf wirkendes Sternchen erkennen. Das Fernglas gibt einem Gewissheit, dass man tatsächlich den Kometen erwischt hat. Mit dem Fernglas sollte man nun die Koma und ein Stück des Schweifs erkennen können.

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20.12.2006 23:46 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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