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Begegnungen am Himmel

Schon seit Tausenden von Jahren beobachten die Menschen, dass sich fünf helle Sterne im Laufe von Tagen und Wochen vor der Kulisse der Sternbilder fortbewegen. Sie bewegen sich dabei nicht kreuz und quer über den Sternenhimmel, sondern nur innerhalb eines rund um die Himmelskugel verlaufenden Bandes. Dieses Band ist nur etwa 2 übereinandergestellte, ausgestreckte Fäuste dick. Auch der Mond bewegt sich immer innerhalb dieses Bandes, deren Mittellinie die Astronomen Ekliptik (die scheinbare Bahn der Sonne) nennen. Wenn sich die Himmelskörper am Himmel begegnen, ergeben sich reizvolle Stimmungsbilder für den Naturbeobachter.

Venus zieht am 17.5 an Jupiter vorbei.

Fig. 1: Am 17.5. begegnen sich die Planeten Jupiter (unten) und Venus ungewöhnlich nahe. Dies ist eine realistische Simulation der Begegnung, wie sie ein Beobachter mit Fernrohr am dunklen Nachthimmel sehen könnte.

Die Planeten bewegen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die nahe bei der Sonne kreisenden Planeten Merkur und Venus bewegen sich schnell weiter. Ihre Bewegung lässt sich von einem Tag zum nächsten gut verfolgen. Die fünfmal bzw. neunmal weiter als wir von der Sonne entfernten Riesenplaneten Jupiter und Saturn bewegen sich langsamer. Man muss aufmerksam beobachten, um ihre Verschiebung relativ zu den Sternbildern bereits nach wenigen Tagen zu bemerken. Bei ihrer Wanderung durch den Zodiakus begegnen sich die Planeten von Zeit zu Zeit (Fig. 1). Solche Begegnungen sind für Naturbeobachter sehr reizvoll. Man kann über etliche Tage verfolgen, wie sich die Gestirne nähern, der schnellere Planet den langsameren überholt und danach der Abstand wieder grösser wird. Gesellt sich noch der Mond oder ein dritter Planet dazu, ergeben sich besonders schöne Stimmungsbilder.

Drei Planeten begegnen einander

Anfangs April findet eine solche Begegnung unter Planeten statt. Der Planet Mars wandert an den nicht weit voneinander entfernt stehenden Planeten Jupiter und Saturn vorbei (Fig. 2 und Fig. 3). Am 6. April überholt der Rote Planet den Riesen Jupiter. An diesem Tag gesellt sich auch die schmale Sichel des zunehmenden Mondes dazu, so dass sich eine schöne Konstellation knapp über dem Westhorizont ergibt. Am schönsten präsentieren sich die vier Gestirne in einem Fernglas. Am 17. April zieht Mars schliesslich an Saturn vorbei.

Am Abend des 7. April

Fig. 2: Jupiter, Mars und Saturn bildeten am 7. April 2000 ein langgezogenes Dreieck, das knapp über dem Horizont war. In dieser Aufnahme finden Sie die Planeten rechts unterhalb der Bildmitte. Jupiter steht dabei am tiefsten; Mars befindet sich knapp über Jupiter. Saturn bildet im Planetendreieck die Ecke mit dem spitzen Winkel, die gegen den Mond zeigt. Der helle Fleck links oben ist der Mond. Die Ansammlung von Sternen in der Mitte des oberen Bildrandes ist der offene Sternhaufen der Plejaden. Bild: R. Brodbeck.


Die grosse Konjunktion

Um einmal ganz durch den Zodiakus zu wandern, benötigt der Jupiter 11.9 und der Ringplanet Saturn sogar 29.5 Jahre. Das heisst, nach diesen Zeitspannen passiert der jeweilige Planet erneut denselben Stern eines Sternbildes. Der schnellere Jupiter überholt den langsameren Saturn alle 20 Jahre. Die relative Nähe der beiden Planeten am Abendhimmel lässt es schon erahnen, dass es bald soweit sein muss. In der Tat überholt Jupiter den Saturn am 23. Juni. Da wir auf der Erde einen anderen Blickwinkel haben als die Sonne, findet für uns die scheinbar engste Begegnung der grossen Planeten bereits am 28. Mai statt. Da es sich um eine seltene Konstellation der bedeutensten beiden Planeten handelt, nennt man sie die grosse Konjunktion. Am 28. Mai sind Jupiter und Saturn etwa zwei Vollmonddurchmesser voneinander entfernt. Leider befindet sich die Erde gerade auf der entgegengesetzten Seite der Sonne. In dieser Stellung gehen die Planeten mit der Sonne auf und mit der Sonne unter. Die beiden Planeten befinden sich am Taghimmel und können somit nur mit speziellen Instrumenten beobachtet werden.

Bewegung von Merkur, Mars und Jupiter vor den Fixsternen.

Fig. 3: Im April zieht Mars (rot) an Jupiter (gestreift) und Saturn (mit Ring) vorbei. Alle Planeten bewegen sich von rechts nach links. Die Positionen gelten am 6., 11. und 16. April um 21 Uhr.

Man kann jedoch noch in der ersten Hälfte des Monats April die beiden sich langsam nähernden Planeten gut in der Abenddämmerung sehen. Will man die Annäherung von Jupiter und Saturn auch in der zweiten Aprilhälfte weiter verfolgen, benötigt man ein Fernglas, damit man gleich nach Sonnenuntergang den noch hellen Himmel knapp über dem Westhorizont nach Jupiter und Saturn absuchen kann. Ist die Luft klar, so hat man gute Chancen, das Paar kurz zu sehen.

Ein extrem nahe Begegnung im Mai

Wie der Mars im April, so läuft die Venus im Mai an den beiden grossen Planeten vorbei (Fig. 1). Dabei kommt es zu einer sehr engen Begegnung von Jupiter und Venus. Die Planeten kommen sich dabei so nahe, dass sie auch bei starker Vergrösserung noch gleichzeitig in einem Fernrohr zu sehen sind. Eigentlich wäre diese Begegnung ein Jahrhundertereignis, doch findet sie nur eine Faustbreit von der Sonne entfernt statt. Nur mit Teleskopen und grösster Vorsicht werden nur wenige Amateurastronomen diese Begegnung der hellsten Planeten des Himmels am Mittag des 17. Mai verfolgen können.

Eine mögliche Erklärung für den Stern von Bethlehem

Schema zur dreifachen grossen Konjunktion

Fig. 4: Schema zur Konjunktion von Jupiter und Saturn. Erklärungen findet man im Text.

Etwa einmal pro Jahrhundert begegnen sich Jupiter und Saturn innerhalb eines Jahres dreimal. Das letzte Mal fand eine solche dreifache Begegnung im Jahre 1981 statt. Dies ist möglich, wenn die Erde während der grossen Konjunktion zwischen Jupiter und der Sonne steht. In Fig. 4 wird dies in der oberen Bildhälfte gezeigt. In diesem Fall liegen Saturn, Jupiter und die Erde dreimal auf einer Linie. Das bedeutet, dass die beiden Riesenplaneten für einen irdischen Himmelsbeobachter dreimal innerhalb eines Jahres ganz nahe beisammen stehen. Gleichzeitig stehen die Planeten auch günstig und auffällig am Nachthimmel, denn unser Beobachter hat die Sonne "im Rücken", wenn er zu Jupiter und Saturn blickt. Manchmal wird ein Astronom bei einer Führung in der Sternwarte gefragt, was der Stern von Bethlehem gewesen sei. Wenn es überhaupt eine astronomische Erklärung gibt, so kann es entweder ein unbekannter Komet gewesen sein oder eine solche dreifache grosse Konjunktion. Denn im Jahre 7 vor Christus fand eine solche dreifache grosse Konjunktion statt, die auffallend mit dem vermuteten tatsächlichen Geburtsdatum von Jesus ein paar Jahre vor dem Jahr 1 zusammenfällt. Vielleicht wurde in den auffälligen Begegnungen der sich majestätisch langsam bewegenden Sterne ein Zeichen einer neuen Zeit gesehen und deshalb als Stern von Bethlehem überliefert.

Die grosse Konjunktion des Jahres 2000 entspricht jedoch nicht der Konstellation von 1981 oder von 7 v. Chr. Sie entspricht der in der unteren Hälfte von Fig. 4 gezeigten Konstellation. Die grosse Konjunktion findet mehr oder weniger hinter der Sonne statt. Nur einmal liegen Erde, Jupiter und Saturn auf einer Linie. Die dreifache grosse Konjunktion bleibt aus.

Eine Weltuntergangskonstellation?

Im Mai werden alle klassischen Planeten (Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) sowie die Sonne mehr oder weniger auf einer Linie stehen (Fig. 5) und an unserem Himmel in einem Kreis von ca. 20 Grad Durchmesser zu finden sein. Vor ein paar Jahren wurde diese seltene Konstellation von Weltuntergangspropheten verwertet. Es wurde behauptet, dass durch die sich gegenseitig verstärkende Schwerkraftwirkung die Erdachse kippen würde oder so ähnlich. Nachdem aber die Welt bei der Sonnenfinsternis von 1999 nicht untergegangen war, wurde es auch um die Planetenkonjunktion von Mai 2000 stiller. Dass die Planeten im Mai 2000 mit ihrer Schwerkraft mehr oder weniger aus derselben Richtung auf die Erde wirken, ist bedeutungslos, denn Sonne und Mond dominieren die Gezeitenwirkung auf die Erde. Wenn wir die Wirkung der Sonne als 100% annehmen, so wirkt die Gezeitenkraft des Mondes mit 215%. Die Wirkung der Planeten ist winzig. Alle zusammen und in der geringsten möglichen Entfernung erzeugen die Planeten 0.02% der Gezeitenwirkung der Sonne. Somit ist die Gezeitenwirkung der Mai-Konjunktion ohne Bedeutung und kann weder Springfluten noch das Kippen der Erdachse bewirken.

Die klassischen Planeten des Sonnensystems

Fig. 5: Im Mai 2000 stehen alle klassischen Planeten mehr oder weniger in einer Reihe. Von links nach rechts: Erde, Sonne, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

Erklärungen:

Lichtjahr:

Ein Lichtjahr ist die Distanz, die das Licht mit seiner Geschwindigkeit von 300'000 Kilometer pro Sekunde in einem Jahr zurücklegt. Somit entspricht das Lichtjahr einer Entfernung von knapp 10 Billionen Kilometer.

Konjunktion:

In der beobachtenden Astronomie spricht man von einer Konjunktion zweier Gestirne, wenn diese sich scheinbar an unserem Himmel nahe begegnen. Genauer: Die Konjunktion ist der Zeitpunkt, wenn die beiden Gestirne bezüglich einer Referenzebene (meist die Erdbahnebene) für den Beobachter scheinbar genau übereinander stehen.

Zodiakus:

Tierkreis. Nach alter Tradition ist darunter das rund um den Sternenhimmel verlaufende Band der zwölf Sternbilder (Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische) gemeint, welche die Sonne in ihrem jährlichen, scheinbaren Lauf durchwandert. Nach modernen Grenzziehungen am Himmel durchläuft die Sonne jedoch 13 Sternbilder. Das moderne Sternbild Schlangenträger liegt ebenfalls auf der Bahn der Sonne.

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20.12.2006 23:47 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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