Mars dominant am Herbsthimmel 2007
Nach der Jahrhundert-Marsopposition von 2003 und dem Überholmanöver im November 2005 erreicht der rote Planet an Heiligabend wiederum eine optimale Stellung am Himmel. Schon im Herbst beginnt er die himmlische Szenerie zu dominieren.
Mars-Ansichten bei gleichem Massstab durch ein 20 cm Teleskop bei perfektem
Seeing im Herbst/Winter 2007/08.
Berücksichtigt wurde die sich ändernde Ausdehnung der Polarhaube und Eiskappe der Pole. Norden ist oben. In Erdnähe steht Mars am 19. Dezember 2007, in
Opposition gelangt der Planet am 24. Dezember. Auf
Mars beginnt am 9. Dezember 2007 der Frühling.
Unter den Bildern sind der Scheibendurchmesser in Bogensekunden und die Helligkeit angegeben.
Simulationen © Arnold Barmettler.

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Mars hatte in den Sommermonaten noch Mühe sich aus dem Bereich der Morgendämmerung zu befreien. Nur langsam stieg er im Tierkreis höher, überquerte im vergangenen Mai den Himmelsäquator nordwärts und durchwanderte die Fische und den Widder. Im September hat er auch die Hyaden passiert und erreicht Anfang Oktober die Zwillinge. Im nördlichsten Scheitelpunkt der Ekliptik zeichnet Mars dieses Jahr eine Oppositionsschleife an den Himmel, ein Ereignis, das rund alle 779 Tage eintritt, wenn die schnellere Erde ihren äusseren Nachbarplaneten auf der engeren Innenbahn überholt. Vorübergehend wird Mars zu einem auffälligen Gestirn am Nachthimmel; immerhin nimmt seine scheinbare Helligkeit im Laufe des Herbst von -0.1 mag (Anfang Oktober) auf beachtliche -1.6 mag (im letzten Dezemberdrittel) zu. Grund für diese markante Helligkeitssteigerung ist die zunehmende Annäherung der Erde während ihres inneren Vorbeizugs an Mars. Erst am 19. Dezember 2007 ist die Distanz mit 88.2 Millionen Kilometer minimal, doch schon in den Monaten vor und nach diesem Termin lassen sich teleskopisch auf der Marsoberfläche zahlreiche Details ausmachen. Auf Mars hat der 160 Tage dauernde Nordwinter am 4. Juli 2007 begonnen. Bei der bevorstehenden Opposition sehen wir praktisch auf den Marsäquator, womit beide Polkappen randlich, also nicht sonderlich gut sichtbar sein werden. Auf dem Mars ist die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche am 9. Dezember 2007.
In den Bereichen der Polkappen bilden sich allerdings Dunstschwaden, die vor allem im Norden, wo die Polkappe während der ganzen Oppositionsphase zunimmt, gut zu sehen sein sollte.
Die relative Stellungen von Sonne, Erde und Mars an verschiedenen Oppositionszeitpunkten. Deutlich sind die Distanzunterschiede und die dementsprechend grosse Marsscheibe zu erkennen. © Thomas Baer.

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Trotz der 88.2 Millionen Kilometer zählt die diesjährige Erde-Mars-Begegnung nicht zu den besten und auch in den kommenden Jahren verwöhnt uns der rote Planet nicht sonderlich. Schuld daran ist die starke Exzentrizität der Marsbahn, welche dafür sorgt, dass die Erde in ganz unterschiedlichen Distanzen an Mars vorüberzieht. Im August 2003 fand eine nahezu perfekte Perihel-Opposition statt. Die minimalste Entfernung betrug damals gerademal noch 55.8 Millionen Kilometer, was die scheinbare Scheibengrösse des Planeten am Fernrohr auf knapp über 25 Bogensekunden anwachsen liess. Die Medien waren voll von Berichten und titelten ihre Artikel mit «Mars - so nah wie nie». Entsprechend gross war, begünstigt durch den Jahrhundertsommer, das Interesse der Bevölkerung, welches Scharenweise in die öffentlichen Sternwarten strömte.
Die Opposition, also der Zeitpunkt an dem der Planet von der Erde aus betrachtet genau gegenüber der Sonne steht, findet wegen der elliptischen Bahn von Mars nicht am gleichen Tag wie die nächste Annäherung an die Erde statt. 2007 beträgt die Differenz 5 Tage: Erdnähe ist am 19. Dezember, Opposition erst am 24. Dezember.
Bei den Oppositionen von 2010 und 2012 handelt es sich um wenig spektakuläre Aphel-Oppositionen. Die Minimaldistanz zwischen Erde und Mars beträgt dann über 100 Millionen Kilometer, also fast das Doppelte von 2003. Erst am 27. Juli 2018 und am 13. Oktober 2020 finden wieder optimalere Begegnungen statt.
Sichtbarkeit im Herbst 2007
Im Oktober geht Mars noch kurz nach Mitternacht auf, Anfang November ist er bereits ab 21.15 Uhr MEZ im Ostnordosten zu sehen. Am 15. November wird der rote Planet stationär und beginnt mit seiner rückläufigen Bewegung die eigentliche Oppositionsphase. Der rote Planet wandert wieder nach Westen, zurück in den Stier, wo er abermals am offenen Sternhaufen M 35 (diesmal nördlich) vorbeizieht. Erst im kommenden Jahr, am 1. Februar 2008, ist die Marsopposition abgeschlossen, wenn der Planet seine Rückläufigkeit beendet und fortan wieder nach Osten durch die Zwillinge wandert.
Oppositionschlaufe von Mars im Herbst/Winter 2007/08. © Thomas Baer.

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Der doppelte Weihnachtsstern
Am frühen Morgen des 24. Dezember 2007 gibt es gewissermassen das Pendant zum «Weihnachtsstern» zu sehen. Diesmal sind die Protagonisten der volle Mond und der in Opposition stehende Mars. Wenn das Duo am Abend des 23. Dezember 2007 gegen 18 Uhr MEZ im Ostnordosten steht, trennen die beiden noch gut 10 Mondbreiten. Mars ist östlich, in Bezug auf den Horizont links unterhalb des Vollmondes zu sehen.
Kurz nach 5 Uhr MEZ steht der rote Planet für z.B. Zürich lediglich noch 2’ 15” über dem Mondrand. Unweit nördlich der Schweiz, entlang einer ungefähren südlichen Grenze nördl. Dortmund – südl. Fulda – nördl. Erlangen – Regensburg – südl. Straubing – Gmunden – südl. Graz streift die Mondkante den Marsmittelpunkt. Nördlich dieser Grenze bedeckt der Mond die Marsscheibe, in Berlin beispielsweise von 4.42 bis 5.10 Uhr MEZ.
Marsbedeckung durch den Vollmond in der Nacht auf den Heiligabend 2007. © Thomas Baer.

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Weiterführende Links
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01.12.2007 00:27 Uhr, Thomas Baer
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