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Die letzte Leonidenvorstellung

Am Morgen des 19. Novembers 2002 haben zwei Sternschnuppenregen stattgefunden

Die Leoniden sind ein sogenannter Sternschnuppenstrom. Es handelt sich um Staubpartikel und Sandkörnchen, die der Komet Temple-Tuttle entlang seiner Bahn verstreut hat. Kreuzt die Erde auf ihrem jährlichen Weg um die Sonne die Bahn dieser Staubteilchen, kollidiert sie mit diesen Teilchen. Dabei verglühen diese als Sternschnuppen in der Atmosphäre. Da dieses Jahr die Erde zwei besonders dichte Bereiche solcher Sand- und Staubpartikel durchdringen wird, werden sich die Naturbeobachter an einer besonders starken Sternschnuppentätigkeit erfreuen. Nach 2002 wird die Erde für viele Jahrzehnte die dichten Bereiche des Leonidenstroms verfehlen.

Eine hellere und 4 schwächere Sternschnuppen des Leoniden-Meteorstroms
5 Meteore (Sternschnuppen) der Leoniden, 18.11.1999, © Ch. Bosshard

Jedes Jahr - um den 18. November - durchstösst die Erde diesen Strom aus Staubkörnchen. Einige prallen mit der Erde zusammen und verglühen als Sternschnuppen in den oberen Bereichen der Erdatmosphäre. Normalerweise ist dieser Strom eher dünn, so dass ein einzelner Beobachter nur ein paar Sternschnuppen pro Stunde beobachten kann. Die Partikel kommen dabei der Erde mehr oder weniger frontal mit gegen 40 km pro Sekunde entgegen. Da die Erde mit etwa 30 km pro Sekunde auf ihrer Bahn um die Sonne unterwegs ist, addieren sich die beiden Geschwindigkeiten zu knapp 70 Kilometer pro Sekunde.

Dieses Jahr wird kein normales Jahr sein. Die Erde wird kurz nacheinander zwei dichte Bereiche des Leoniden-Stroms durchqueren, so dass es für etwa eine Stunde zu einer sehr regen Sternschnuppentätigkeit kommen wird; vielleicht erleben wir sogar ein Sternschnuppenregen, wie wir ihn 1999 sahen.

Auf den ersten Strom aus Sandkörnchen wird die Erde um 5 Uhr am Morgen des 19. November 2002 treffen. Es handelt sich dabei um Material, dass der Komet Tempel-Tuttle bei seiner Sonnennähe im Jahre 1767 verloren hat. Europa steht dabei sehr günstig. Man sollte mit den Beobachtungen um 2 Uhr beginnen. Überraschungen sind immer drin.

Wenn die Erde nach 11 Uhr am 19. November auf den zweiten dichten Bereich trifft (diese Staubkörner verlor der Komet im Jahre 1866), ist es bei uns bereits Tag. Nordamerika wird diesen Sternschnuppenregen unter günstigen Bedingungen erleben.

Verschiedene Modellrechnungen zu der Stärke des Leonidenschauers
Verschiedene Modellrechnungen zu der Stärke des Leonidenschauers.
Im blau unterlegten Bereich ist es im deutschen Sprachraum Nacht
Graphik von R. Brodbeck

Daten für Fachleute: (nach Modell Lyytinen, Van Flandern) erstes Maximum um 5.03 Uhr MEZ mit einer ZHR von 3'500. Die Halbwertsbreite (Dauer des Schauers mit mindestens der Hälfte der ZRH des Maximums) dieses Peaks dauert 106 Minuten. Der Schauer ist beobachtbar in Europa, Mittelmeerstaaten, Westafrika, Island, Grönland, Labrador.

Das zweite Maximum tritt um 11.40 MEZ mit einer ZHR von 2'600.
Die Halbwertsbreite dieses Maximums beträgt 122 Minuten; beobachtbar auf dem Nordamerikanischen Kontinent, inkl. Mexiko.

Leoniden im Anflug auf die Erde um 4 Uhr UT, 5 Uhr MEZ 
Anblick der Erde für die anfliegenden Leoniden. Die Grafik zeigt die Gebiete, die das erste Maximum um 5 Uhr MEZ am 19. November sehen können. Europa hat nahe dem Morgenterminator eine aussichtsreiche Position! © A. Barmettler, CalSKY.
 
Leoniden im Anflug auf die Erde um 10 Uhr UT 
Anblick der Erde für die anfliegenden Leoniden. Die Grafik zeigt die Sichtbarkeit für das zweite Maximum um 11 Uhr am 19. November. In Europa ist es bereits Tag, aber Nordamerika und die Karibik haben Logenplätze. © A. Barmettler, CalSKY.
 

Beobachtung

Wenn man nachts mit dem Auto in einem Schneesturm unterwegs ist, scheinen die Schneeflocken aus einem Punkt zu strömen. Genau so scheinen die Leoniden aus einem Punkt zu kommen, der im Sternbild Löwe liegt.  Da die Leoniden der Erde fast frontal entgegen kommen, treffen sie auf die Morgenhemisphäre der Erde. Man kann deshalb die Leoniden nur in der zweiten Nachthälfte beobachten. Somit hat es keinen Sinn sich schon vor Mitternacht auf die Lauer zu legen. Leider wird am 19. November 2002 Vollmond sein. Das Licht des Vollmondes wird besonders die schwächeren Sternschnuppen überstrahlen.

Radiant der Leoniden im Sternbild Löwe. Himmel f&uumlr 5 Uhr fr&uhml;h am 19. November. Blick Richtung S&uumldwesten. Graphik R. Brodbeck.
Anblick des Sternenhimmels am 19. November um 05 Uhr. Blickrichtung Südwesten.
Der Radiant (Fluchtpunkt der Sternschnuppen) der Leoniden liegt im Sternbild Löwe.
Der Vollmond ganz links ist übertrieben Dargestellt.
Graphik © R. Brodbeck.

Die Frage ist nun, wie kann man trotzdem noch - den Umständen entsprechend - optimal beobachten? In einer Vollmondnacht geht der Mond bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter. Um Mitternacht steht er hoch am Himmel. Da der erste Leonidenschauer erst um 5 Uhr morgens erwartet wird, wird der Vollmond schon recht tief über dem Westhorizont stehen. Das Mondlicht wird somit bereits relativ lange Schatten werfen. Um wenigstens nicht von direktem Mondlicht geblendet zu werden, kann man sich in den Schatten eines Gebäudes oder Baumes begeben.

Optimaler Standort trotz Mondlicht. Graphik R. Brodbeck
Der optimale Standort für eine Beobachtung trotz Vollmond liegt auf
einer Alp, die durch einen Berg im Westen begrenzt
wird (rotes Kreuz). Graphik von R. Brodbeck.

Viel Vollmondlicht wird jedoch in der Luft an Dunst, Nebeltropfen und anderen Schwebeteilchen gestreut. Der Himmel erscheint deshalb so hell, dass man nur die hellsten Sterne erkennen kann. Luft in grosser Höhe ist sauberer und enthält weniger Dunst. Auf einem Berg wird deshalb der Himmel weniger aufgehellt sein. Jedoch auch die Idee mit dem Gebäudeschatten kann ausgebaut werden. Wenn man als schattenspendendes Objekt nicht ein Haus sondern einen hohen Berg nimmt, befindet sich auch ein Teil der Luft und damit auch der Dunst im Schatten und kann das Mondlicht nicht streuen. Der Nachthimmel erscheint dunkler und damit sollte ein Beobachter mehr Leoniden sehen können. Als idealen Fall kann man nun eine höher gelegene Alp ansehen, die in Richtung Westen von einem hohen Berg begrenzt wird.  Wenn man sich an die Stelle begibt, wo die Alp und die Ostseite des Berges aufeinander treffen, wird zwar ein Teil des Himmels vom Berg verdeckt, doch auch viel Mondlicht abgeblockt, so dass das Problem der Vollmondacht etwas weniger schlimm erscheinen wird.

Die Leuchtspuren der Leoniden lassen sich alle zum Sternbild Löwe zurück verlängern. Man muss jedoch nicht unbedingt zum Löwen blicken. Die Sternschnuppen werden über den ganzen Himmel verteilt zu sehen sein.



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20.12.2006 23:46 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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