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![]() 5 Meteore (Sternschnuppe) der Leoniden, 18.11.1999, © Ch. Bosshard |
In der Nacht vom 17 auf den 18 November 1999 kam es zu den vorhergesagten Sturm der Sternschnuppen die scheinbar aus dem Sternbild Löwe (lat. Leo) kommen. Auf einer Alp nahe der Ortschaft Indemini im Schweizer Kanton Tessin beobachtete ein Teil des astro!nfo-Teams den Sternschnuppenregen auf knapp 1400 Meter Meereshöhe bei klarem Himmel aber eisigem Nordwind. Während ein Beobachter noch um 2 Uhr MEZ nur 10 der Sternschnuppen in einer Viertelstunde zählte, schnellte nach 2 Uhr 30 die Aktivität dramatisch in die Höhe. Zum Zeitpunkt maximaler Aktivität kurz nach 3 Uhr konnte jeder ca. 2 Sternschnuppen pro Sekunde über den Sternenhimmel huschen sehen. Manchmal schien es, als spritzen die Meteore geradezu aus dem Sternbild Löwe. Gegen 4 Uhr liess die Aktivität deutlich nach und angesichts der Kälte fuhren wir gegen fünf Uhr wieder zurück in das schlechte Wetter nördlich der Alpen, obwohl noch immer alle paar Sekunden ein Leonid zu sehen war. Wir waren Zeuge eines wohl einmaligen Erlebnisses geworden.
Mitteilung der IMO an die Presse:Leonid meteor storm materializes around expected peak time
Anmerkung zur IMO: Wir glauben, zur Zeit des Maximums eine auf eine Stunde hochgerechnete Fallrate von 5'000 oder sogar noch mehr Sternschnuppen beobachtet zu haben. Doch haben wir nicht systematisch gezählt, sondern haben einfach dem himmlischen Feuerwerk fasziniert zugesehen.
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Kometen, die gerne als schmutziger Schneeball beschrieben werden, beginnen bei der Annäherung an die Sonne zu verdampfen. Die Gase reissen auch Gesteinspartikel mit, welche sich dann entlang der Bahn des Kometen verteilen. Diese Partikel (Fachbegriff Meteoroid) sind so klein, dass man sie selbst mit Teleskopen nicht sehen kann. Diese Meteoroide treffen mit einer hohen Geschwindigkeit auf die Atmosphäre, wobei sie unter Erzeugung einer leuchtenden Spur verglühen. Diese Leuchterscheinungen bezeichnet man als Meteor oder auch als Sternschnuppe.
Die Grösse der Meteoroide bestimmt die Helligkeit und die Dauer der Leuchterscheinung. Kleine Teile leuchten nur schwach, kieselsteingrosse Körper können heller als der Vollmond werden und einen Spur hinterlassen, die für einige Sekunden nachleuchtet.
Die Meteoroide, also die Steinchen im Weltraum, bewegen sich im Weltall immer noch auf der Bahn des Kometen. Sie fliegen also im Schwarm parallel zueinander mit derselben Geschwindigkeit wie die Schneeflocken in einem Schneesturm. Wir fahren, bildlich gesprochen, mit dem Auto Erde in diesen Schneestum hinein. Von einem Auto aus gesehen scheinen die Schneeflocken aus einem Punkt von schräg vorne zu kommen. Bei Windstille scheint dieser Punkt genau in Fahrtrichtung zu liegen, wenn ein kräftiger Seitenwind blässt, verschiebt sich auch dieser Punkt auf diese Seite. Genau so verhält es sich, wenn die Erde in einen Strom von Meteoroiden rast. Sie scheinen alle von einem bestimmten Punkt zu kommen. Dieser Punkt heisst Radiant. Im Falle des Sternschnuppenstroms vom 17. November liegt dieser Punkt im Sternbild Löwe (lateinisch Leo). Deshalb heissen die Sternschnuppen, die schneinbar von diesem Punkt ausgestrahlt werden, eben Leoniden. Natürlich haben die Partikel nicht wirklich ihren Ursprung im Sternbild Löwe, sie scheinen nur aus dieser Richtung zu kommen, in der wir dieses Sternbild sehen.

Normalerweise sind die Leoniden nur einer unter etlichen, während eines Jahres auftretender Meteorströme. Jedoch tritt bei den Leoniden alle 33 Jahre eine besonders starke Sternschnuppentätigkeit auf; diese Zeitperiode entspricht gerade der Umlaufszeit des Ursprungskometen. Bei dieser erhöhten Aktivität spricht man von einem Meteorschauer, oder - falls der Himmel über dem Beobachter ähnlich unserem Beispiel mit der Autofahrt im Schneefall, voll Sternschnuppen hängt - sogar von einem Meteorsturm.
Der Leoniden Meteorschauer wurde schon 1833 beobachtet. Damals erlebten die Bewohner des nördlichen Teils der USA in der Nacht vom 12. auf den 13. November ein himmlisches Feuerwerk. In einer Stunde wurden über 50'000 Meteore beobachtet!
Damals war der Zusammenhang zwischen Kometen und Meteorschauern noch nicht bekannt, erst nach dem Schauer von 1833 wurde diese Sache genauer untersucht. Es stellte sich heraus, dass in der Karibik im Jahre 1799 ein Meteorschauer Mitte November beobachtet wurde. Das Ereignis schien sich also alle 33 Jahre zu wiederholen. Als Quelle der Sternschnuppen wurde der Komet Temple-Tuttle identifiziert, der für einen Umlauf um die Sonne ebenfalls 33 Jahre benötigt. Nach dieser Erkenntnis konnte ein weiterer Meteorschauer für das Jahr 1866 vorausgesagt werden. In diesem Jahr wurden dann immerhin über 2'000 Meteore pro Stunde gesichtet. Im Jahre 1966 fand der letzte grosse Sturm der Leoniden statt - und 1966 plus 33 gäbe 1999...
![]() ![]() ![]() ![]() Zeichnungen der Meteorschauer in den Jahren 1799 und 1833. Klicken Sie auf ein Bild für eine vergrösserte Version mit Kommentar. |
Leider muss man die Erwartungen ein wenig relativieren, denn nicht jeder Besuch des Kometen 55P/ Tempel-Tuttle hatte einen Meteorsturm zur Folge. Zum Beispiel konnte 1933 kein grosser Schauer beobachtet werden. Der letzte grosse Meteorsturm fand - wie erwähnt - 1966 statt, es wurden sage und schreibe 150'000 Meteore in der Stunde gezählt!
Nach den Vorhersagen der IMO (International Meteor Organization) können wir in diesem Jahr aber immerhin mit 600 Meteoren pro Stunde rechnen (zum Vergleich: im August produzieren die bekannten Perseiden etwa 80 Sternschnuppen pro Stunde). Solche Prognosen sind allerdings ziemlich heikel: Aktuelle Berechnungen sagen nun ein Maximum für 18. November um 3 Uhr nachts voraus; jedoch ist das keineswegs sicher, dass dieser nur etwa eine Stunde dauernde Sturm auch tatsächlich stattfinden wird. 1998 wurde die stärkste Aktivität sogar am Morgen des 17. Novembers beobachtet, d.h. einen Tag vor dem berechneten Maximum. Es empfiehlt sich in jedem Fall die Nacht vom 17. auf den 18. November zu reservieren; wer aber auf gar keinen Fall ein Ereignis verpassen möchte, sollte auch die Nächte vom 16. und 18. November im Freien verbringen. Wenn auch kein grosser Meteorsturm stattfinden sollte, so können wir zumindest mit einer schönen Sternschnuppennacht rechnen.
Der Beobachtungsstandort sollte an einem möglichst abgelegenen Ort, mit möglichst
wenig Umgebungslicht gewählt werden. So ist es auch möglich lichtschwache Meteore zu
sehen. Ideal ist ein Standort, von dem aus der Himmel bis zum Horizont einsehbar
ist. Es sollten weder Bäume noch Häuser den Blick versperren. Je mehr man vom
Himmel sieht, desto grösser ist die Zahl beobachtbarer Meteore. Beobachtet wird
grundsätzlich ohne optische Hilfsmittel, also von blossem Auge. Die Blickrichtung
ist nicht so entscheidend, da die Meteore etwa gleichmässig über den ganzen
Himmel verteilt auftreten. Der Radiant (Sternbild Löwe) sollte sich aber zum Zeitpunkt
der Beobachtung über dem Horizont befinden. Um eine lange
Beobachtungsnacht so angenehm wie möglich zu gestalten, empfiehlt sich ein
Liegestuhl mit Wolldecke oder Schlafsack gegen die Kälte.
Natürlich sollte auch das Wetter mitspielen.
Hier können Sie mehr über die zu erwartende Wettersituation herausfinden.
·weitere Infos zum Beobachten von Sternschnuppen
Die nur Staubkorn grossen Meteoroide sind für uns Menschen hier auf der Erde keine Gefahr, weil sie in der Atmosphäre als Meteore verglühen. Für die grosse Flotte der erdumkreisenden Satelliten ist die Wahrscheinlichkeit eines Treffers nicht vernachlässigbar. Ein solcher Einschlag kann den Totalverlust des betroffenen Satelliten bedeuten: Folgen wären beispielsweise Ausfall der Telefonverbindungen, von Wetterbeobachtungssatelliten oder vom Satellitenfernsehen. Die ESA reduziert z.B. den Betrieb der Erdbeoabachtungssatelliten ERS an den beiden Tagen mit der erwarteten maximalen Aktivität der Leoniden. Man erhofft sich einen möglichen Schaden zu in Grenzen zu halten.
Es wurde leider kein Sturm, d.h. keine kurze aber extrem heftige Sternschnuppentätigkeit beobachtet. Dafür gab es eine starke Aktivität 2/3 Tage vor dem prognostizierten Maximum, das am 17. November um 20:40 MEZ hätte eintreten sollen. Deshalb wäre die zweite Nachthäfte der Nacht vom 16. auf den 17. November bei weitem lohnender für einen Beobachter in Europa gewesen. In jener Nacht konnten ein paar hundert Sternschnuppen pro Stunde beobachtet werden. Einzelne Beobachter sprachen sogar von bis zu 1000 Meteoren pro Stunde. In der folgenden Nacht vom 17. auf den 18. November war dann die Aktivität bereits stark zurückgegangen. Von astro!nfo wurde von Mitternacht bis 2 Uhr nur noch etwa 20 Leoniden beobachten, die meisten davon waren aber helle und schöne Sternschuppen.
1998 hat man bei astro!nfo die Erfahrung gemacht, dass sich Sternschnuppenströme nur schwer berechnen lassen. Für 1999 bedeutet das, dass man, wenn man nichts verpassen möchte, mindestens 2 Nächte hintereinander beobachten muss: nämlich in der Nacht vom 16. auf den 17. und in der Nacht vom 17. auf den 18. November. Publikationen, die für 1999 ein Maximum auf eine bestimmte Stunde festlegen wollen, ist mit einer gesunden Portion Misstrauen zu begegnen.
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