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Der Planet Pluto
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Pluto

Entfernter Planet oder grosser Asteroid?

Der Planet Pluto mit Mond Charon. Bild: Weltraumteleskop Hubble.
Der Planet Pluto mit Mond Charon. Bild: Weltraumteleskop Hubble.

1930 wurde offiziell der letzte Planet unseres Sonnensystems entdeckt: Der Planet Pluto. Er ist (meistens) der von der Sonne entfernteste Planet und auch der kleinste. Ein paar Dinge hat man über diese ferne Welt in Erfahrung bringen können, obwohl bei Pluto noch nie eine Raumsonde vorbeigeflogen ist. Auch stellte man fest, dass Pluto nur der grösste Vertreter einer ganzen Klasse von Objekten am Rande des Planetensystems ist, so dass heute sogar sein Status als Planet in Frage gestellt wird.

Entdeckung

Im Jahre 1842 wurde der äusserste grosse Planet gefunden: Neptun, der 4x grösser ist als die Erde. Er wurde aufgrund seiner Störung der Position des Planeten Uranus vorhergesagt und tatsächlich gefunden. Dieser Erfolg spornte die Astronomen an, nach weiteren Störungen der Bewegung von Uranus und auch des Neptun zu suchen um einen Hinweis auf einen noch weiter entfernten Planeten zu erhalten. Doch nichts eindeutiges konnte festgestellt werden. Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden grosse Anstrengungen unternommen. Besonders Percivall Lovell, berühmt geworden als eifriger Befürworter künstlicher Marskanäle, liess mit grossem Aufwand nach dem Planeten jenseits von Neptun suchen. Nach seinem Tod wurden diese Bemühungen am Flagstaff-Observatorium fortgesetzt, bis schliesslich Clyde William Tombaugh Pluto fand. Zur Suche verwendete man schon seit Lovells Zeiten zwei Fotografien eines Sternfeldes, die eine gewisse Zeit nacheinander aufgenommen wurden. Die Mitglieder unseres Sonnensystems verraten sich dadurch, dass sie sich in der Zeit zwischen den beiden Aufnahmen etwas bewegt haben.

Asteroid Juno. R. Brodbeck
Der Asteroid Juno verrät sich auf zwei Sternfeldaufnahmen durch seine Eigenbewegung. So wurde auch Pluto gefunden. Bilder: R. Brodbeck.

Der neue Planet bewegt sich auf einer recht merkwürdigen Bahn. Die Umlaufszeit um die Sonne beträgt 248 Jahre. In dieser Zeit schwankt Plutos Distanz zur Sonne zwischen 4.4 und 6 Milliarden Kilometer (die Erde ist 0.15 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt). In Sonnennähe ist er für 20 Jahre der Sonne noch etwas näher als Neptun. Zum letzen Mal war dies von 1979 – 1999 der Fall. Seine Bahn ist gegen die Erdbahn 17 Grad geneigt, das ist mit Abstand mehr als die Bahnneigung aller anderen Planeten. Somit findet man Pluto am Himmel meist weit entfernt von der Ekiptik, der scheinbaren Bahn der Sonne am Sternenhimmel.

Eigenschaften des Planeten

Der Planet Pluto in Echtfarben. Grundlage: Bilder des Weltraumteleskop Hubble, Bearbeitung NASA.
Der Planet Pluto in Echtfarben. © Weltraumteleskop Hubble, NASA.

Pluto erscheint im irdischen Teleskop als ein enttäuschend schwaches Sternchen. Gross kann somit der neue Planet nicht sein. Zuerst hielt man es für durchaus möglich, dass Pluto etwa so gross sei wie die Erde. Doch im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wurde seine Grösse immer weiter nach unten korrigiert. 1978 fand D.C. Cristy, dass Pluto eine Art Doppelplanet ist. Sein Mond Charon ist halb so gross wie Pluto selbst. Sie umkreisen einander einmal in 6 Tagen. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zu Sonnen- und Mondfinsternissen auf Pluto (der Schatten von Charon trifft Pluto und umgekehrt). Der damit verbundene Helligkeitswechsel von Pluto erlaubte es, seinen Durchmesser und den seines Mondes sehr genau zu bestimmen. Heute wird der Plutodurchmesser mit nur 2200 Kilometer angegeben, Charon ist halb so gross. Etliche Monde der anderen Planeten sind somit grösser als Pluto. Das Weltraumteleskop Hubble ist in der Lage, Pluto und Charon als zwei getrennte Objekte zu sehen und sogar ganz grobe Oberflächendetails auf Pluto auszumachen. Pluto und Charon drehen sich alle 6 Tage umeinander und zeigen sich dabei immer die gleiche Seite (wie dies auch unser Mond tut: er zeigt uns immer die selbe Seite). Für einen Beobachter ist der Mond Charon somit immer über oder unter dem Horizont. Das beteutet auch, dass ein Tag-Nacht-Zyklus auf Pluto ebenfalls 6 Erdtage daurert. Der Abstand zwischen den beiden Körpern beträgt etwa 20'000 Kilometer (Erddurchmesser 12'700 km). Es wurden Spuren einer dünnen Atmosphäre auf Pluto entdeckt. Diese kann man sich dadurch erklären, dass Methan seiner Oberfläche in Sonnennähe sublimiert und diese dünne Atmosphäre bildet, die sich bei grösserer Sonnendistanz wieder als Reif niederschlägt. Man schätzt, dass diese Atmosphäre noch etwa bis in das Jahr 2020 existiert und dann für gegen 200 Jahre verschwinden wird.

Der Kuiper-Gürtel

Doppelasteroid 1998 WW31 im Kuiper-Gürtel
Der Doppelasteroid 1998 WW31 im Kuipergürtel, beide Komponenten sind etwa 140 km gross. © STScI, NASA
Verteilung von 160000 Asteroiden. Rot: Kuiper-Gürtel
Die Verteilung der 160'000 im Mai 2002 bekannten Asteroiden im Sonnensystem. Rot, ausserhalb der Neptunbahn, die Objekte des Kuiper-Gürtels. Die exzentrische Bahn (grün eingezeichnet) ist die Umlaufbahn von Pluto. © A. Barmettler. CalSKY.com

Der Astronom Kuiper vertrat in der Mitte des 20. Jahrunderts die Ansicht, dass es jenseits der Neptunbahn ein immensen Vorrat an Kometenkernen gäbe. Die Kerne der Kometen sind ein paar bis viele Kilometer grosse fast schwarze Brocken aus flüchtigen Substanzen wie Trockeneis, Ammoniak, Wasser und Kohlenwasserstoffen. Diese Kometenkerne würden im Bereich von Pluto ihre Bahnen ziehen. Mit dem Fortschritt in der Beobachtungstechnik wurde es in den vergangenen Jahren möglich, die Grössen unter ihnen tatsächlich zu beobachten. Der grösste Brocken unter ihnen ist halb so gross wie Pluto. Somit ist klar, dass Pluto nur das grösste Objekt eines ganzen Asteroidengürtels ausserhalb der Neptunbahn ist. Nach dem Tod des Plutoentdeckers Tombaugh im Jahre 1997 begann eine Diskussion darüber, ob Pluto überhaupt als Planet gelten soll. Denn angesichts der vielen weiteren Objekte ist es etwas willkürlich, Pluto einen Planet zu nennen und die anderen Asteroiden. Auch ist es nicht ausgeschlossen, dass in den äusseren Bereichen des Kuiper-Gürtels ein Asteroid gefunden wird der mit der Grösse von Pluto konkurrieren kann. Wäre dann das der 10. Planet oder reduziert man die Anzahl Planeten wieder auf 8 und nennt Pluto zukünftig den grössten Asteroiden? Es ist eher davon auszugehen, dass sich die meisten (inkl. Astrologen) so daran gewöhnt haben, Pluto als Planet zu bezeichnen, dass man die Definition, was ein Planet und was ein Asteroid sein soll, eben so formulieren wird, dass Pluto gerade noch besteht und abwartet, ob man wirklich einen weiteren 2000 km grossen Körper dort draussen entdeckt. Es würde interessant sein, die Diskussion zu verfolgen, ob nun dieses Objekt als 10. Planet oder Asteroid gelten soll.

Eine Raumsonde zu Pluto und darüber hinaus

New Horizons, Projektzeichnung
Die im Programm "new Horizons" vorgeschlagene Raumsonde erreicht Pluto. Gemälde der NASA

Die Entdeckung einer dünnen Atmosphäre um Pluto, die nach dem Jahre 2020 wieder gefrieren würde, hat die Diskussion um eine Raumsondenmission zu Pluto aufleben lassen. Bisher haben sich 4 Raumsonden soweit von der Sonne entfernt wie Pluto seine Bahn zieht: Pioneer X und XI, sowie Voyager I+II. Jedoch keine verfolgte einen Kurs, der sie an Pluto vorbeigeführt hätte. Die Priorität lag auf der Erforschung der vier Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Aus himmelsmechanischen Gründen hätte man zugunsten von Pluto auf andere Beobachtungen bei den Gasplaneten verzichten müssen.

Die Finanzierung einer Sonde zu Pluto erweist sich als schwierig. Ein Orbiter müsste zusätzlichen Treibstoff für ein Bremsmanöver bei Pluto mitführen. Das Mehrgewicht hätte die Mission unfinanzierbar gemacht. Deshalb beschränkte man sich bei der Planung von vornherein auf einen ungebremsten Vorbeiflug am Planeten. Die Mission würde noch dadurch aufgewertet, dass man nach Pluto mehr oder weniger „am Weg“ liegende weitere Objekte des Kuiper-Gürtels besuchen würde. Nach langer Diskussion zwischen Regierung, Congress, NASA und den Wissenschaftlern ist der aktuelle Stand der Finanzierung so, dass unter dem Namen „New Horizons“ mindestens die Vorbereitungsarbeiten im Jahre 2002 weitergehen können, allerdings ohne die Garantie einer weiteren Finanzierung im Jahre 2003. Diese müsste gegen den Willen des US-Präsidenten vom Congress genehmigt werden. Wenn die Mission tatsächlich stattfinden würde, so wäre der Start im Januar 2006, der Vorbeiflug bei Jupiter im Jahre 2007 und bei Pluto wäre die Sonde im Jahre 2015. Die Vorbeiflug an einem oder mehreren Körper im Kuiper-Gürtel könnte dann in den folgenden Jahren stattfinden.

Nach dem Startfenster von 2006 könnten erst wieder ab dem Jahre 2018 mit Hilfe von Jupiter zu Pluto geflogen werden. Neben dem bereits erwähnten auskondensieren der Plutoatmosphäre, die erst im 23. Jahrhundert wieder auftauen würde, gibt es ein weiteres Problem, dass die wissenschaftliche Ausbeute einer Ankunft erst irgendwann um das Jahr 2030 schmälern würde: die Polarnacht auf Pluto. Plutos und Charons Neigung der Rotationsachse ist mit 57.5 Grad so gross, dass die Polarnacht einen wesentlichen Teil einer Halbkugel erfassen kann. 1988 war Frühling auf Pluto, d.h. beide Hemisphären waren gleich beleuchtet. Im Jahre 2028 wird dann die Polarnacht der Südhalbkugel ihren Höhepunkt erreichen. Je später die Sonde ankommt, desto weniger wird sie von der Südhalbkugel sehen.

Pluto selbst beobachten

Pluto erscheint als so schwaches Sternchen, dass er auch in dem meisten Amateurteleskopen nicht mehr gesehen sondern nur noch fotografisch nachgewiesen werden kann. In grossen Amateurteleskopen mit 30 cm oder mehr Öffnung (Objektivdurchmesser) kann man Pluto auch live sehen, allerdings ist es eine Herausforderung, anhand detaillierter Sternkarten Pluto unter den vielen Sternen zu identifizieren. Wirklich sicher kann man nur sein, wenn man im Abstand von ein paar Tagen eine Aufnahme macht. Pluto ist dann das Sternchen, dass sich etwas bewegt hat. Den Mond Charon können nur Profiastronomen beobachten.



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20.12.2006 23:46 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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