Ein gigantisches Unternehmen, das bis heute seinesgleichen sucht
Der «kleine Schritt» blieb der bislang grösste
Was die Amerikaner mit ihrem Apollo-Programm fertiggebracht haben, wäre heute wohl kaum
denkbar. Der Mondflug darf als Beweis dafür angesehen werden, dass der "American Dream" -
zumindest in den sechziger Jahren - Realität war.
Die Fussabdrücke im Mondstaub werden voraussichtlich alle «Moonwalker» überdauern: Auf dem
Mond verweht sie nämlich kein Wind. (Bild: NASA /
NASA History Office and the NASA JSC Media Services Center.)
Am 25. Mai 1961 kündigte der amerikanische Präsident John F. Kennedy im US-Kongress an,
dass rund 20 Milliarden Dollar - verteilt auf 10 Jahre - benötigt würden, um einen Menschen
auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen. Die Idee
wurde mit Begeisterung aufgenommen, lagen doch die Russen im Wettrennen um den Weltraum
bislang in Führung. Sie hatten am 4. Oktober 1957 den ersten künstlichen Satelliten und am
12. April 1961 den ersten Menschen in den Weltraum geschossen. Ein Vorsprung, der in der
Hochblüte des Kalten Krieges vom Westen nicht geduldet werden konnte.
Unmögliches wurde möglich
Der Auftrag also war klar; unklar hingegen war, wie man diesen Auftrag in die Tat umsetzen
sollte. Kennedy hatte seine Ankündigung nämlich gerade mal 20 Tage nach dem ersten
bemannten Raumflug der Amerikaner gemacht; der Astronaut Alan B. Shepard hatte damals in
einem 15minütigen Flug lediglich am Weltraum "gekratzt".
Der Flug zum Mond war dagegen ein gigantisches Unternehmen. Selbst in den USA zweifelten
viele Fachleute daran, ob dieses Ziel innert zehn Jahren oder überhaupt erreichbar sein
würde. Die Skeptiker sollten unrecht haben: In einem gewaltigen Effort arbeiteten 20 000
Firmen mit rund 400 000 Personen daran, noch vor Ende der Sechziger eine Handvoll Menschen
auf dem Mond landen zu lassen. Mit Apollo 11 gelang dieses Meisterwerk und wurde bis 1972
insgesamt fünfmal wiederholt.
Budgets gestrichen
Im Taumel des Erfolgs glaubte man an eine Besiedlung des Mondes und an einen Flug zum Mars.
Doch die Träume der Planer sollten nicht in Erfüllung gehen: Apollo 18, 19 und 20 wurden
nicht zum Mond geschossen, weil der US-Kongress die Gelder gestrichen hatte - schliesslich
war man nun die Nummer eins im Weltraum. Ausserdem verblasste der Fortschrittsglaube, der
die fünfziger und sechziger Jahre geprägt hat.
Selbst bei der Konstruktion des Space Shuttle in den Siebzigern wurden etliche Abstriche
gemacht, ebenso bei der internationalen Raumstation. Zurzeit plant die Nasa im Rahmen des
New-Millennium-Programms günstigere Missionen. Der Mars steht im Zentrum des Interesses.
Mehrere Sonden erkunden den Nachbarplaneten bereits oder werden ihn in den kommenden Jahren
erreichen. Ebenso wird von Optimisten von einer bemannten Mars-Mission innert der nächsten
20 Jahre gesprochen.
Zurück zum Mond?
Selbst der Mond steht seit einiger Zeit wieder «unter Beschuss». Mit den Sonden
"Clementine" und "Lunar Prospector" konnten die Forscher auf dem Mond unter anderem
Anzeichen von Wassereis entdecken. So sprechen heute verschiedene Fachleute wieder von
einer bewohnten Mondstation. Doch bleibt dies in den nächsten Jahren wohl noch
Zukunftsmusik, ebenso der Flug zum Mars. Armstrongs berühmter "kleiner Schritt" wird also
noch einige Zeit der grösste bleiben.