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Der Planet Venus

Die Venus. Rendering von A. Barmettler   
Die Venus. Rendering von A. Barmettler.
  

Die Venus war der Menschheit schon in der Antike als Wanderstern (Planet) aufgefallen. Der als Abend- und Morgenstern bekannte Planet kann - bezogen auf seine Grösse - als Zwillingsschwester der Erde bezeichnet werden. Weitere Gemeinsamkeiten zwischen Erde und Venus gibt es jedoch nicht. Die Raumfahrt zeigte, dass der Planet von einer Atmosphäre aus Kohlendioxyd umgeben ist und der Treibhauseffekt die Bodentemperatur auf über 500°C steigen lässt.

Der Bahnradius der Venus entspricht etwa 2/3 der Distanz Erde Sonne. Da sie somit innerhalb der Erdbahn um die Sonne kreist, kann sie an unserem Himmel nicht beliebig weit von der Sonnen entfernt stehen. Sie geht deshalb als Abendstern meist bald nach der Sonne unter und ist deshalb in der Abenddämmerung in westlichen Richtungen zu finden. Als Morgenstern findet man sie als hellsten Stern in östlicher Himmelsrichtung. Die Venus kann nicht gleichzeitig Morgen- und Abendstern sein. Steht die Venus am Himmel, so ist sie bei weitem das hellste Gestirn (abgesehen von Sonne und Mond). Sind die Sichtverhältnisse besonders günstig, so gehen an den Volkssternwarten viele Anrufe von Leuten ein, die wissen wollen, was denn das sei, das da am Himmel so hell leuchte.

  
  Venus in Zahlen
  Distanz zur Sonne1    108'209'000 km
  Exzentrizität    0.00679
  Umlaufzeit    0.61519726 J
  Min. Dist. z. Erde    39'600'000 km
  Max. Winkeldurchm.    63.0"
  Äquatorradius    6'051.8 km
  Abplattung2    0
  Masse    4.8690·10 24 kg
  Dichte    5240 kg/m3
  Rotationszeit3    243.0185 Tage
  Schwerkraft4    0.90 g
  Mitl. Temperatur5    456°C
  Neigung der Achse    3.39471°
  Atmosphäre   CO2, N2
  Anzahl Monde    keine
 
Quelle: The Astronomical Almanac u.a.
 
1 Grosse Halbachse
2 (Äquator minus Pol)/Äquator
3 Auf die Sterne bezogen (siderisch)
4 Am Äquator, 1g = 9.81 m/s2
5 Auf der festen Oberfläche
J = Jahre
 

Vor dem Raumfahrtzeitalter wusste man, dass die Venus komplett von Wolken verhüllt ist. Diese Wolken verhinderten bis zur Mitte des 20. Jahrhunders weitgehend Untersuchungen der Venusoberfläche. Heute weiss man, dass am Venusboden die aus Kohlendioxyd bestehende Luft 90x dichter ist als auf der Erde. Es gibt Hochländer, die man als Kontinente bezeichnen könnte. Jedoch Hinweise auf eine Plattentektonik wie auf der Erde konnte man auch mit die Wolken durchdringenden Radar nicht finden.

Venus selbst beobachten

Wie oben erwähnt ist Venus nach Sonne und Mond immer das hellste sternähnliche Objekt, wenn sie über dem Horizont steht. Sie erscheint dem blossen Auge als sehr heller Stern. Im Amateurteleskop lassen sich die Änderung der Phasen (Sichelgestalt) im Laufe der Monate gut verfolgen. Die Oberfläche der Venus selbst bleibt unter Wolken verhüllt, so das auch grosse Teleskope kaum mehr als eine weisse Kugel sehen. Nur mit Radar lässt sich die feste Oberfläche unter den Wolken "sehen".

Visuelle Erscheinung im Teleskop

Die Venus ist neben dem Mond das hellsten Objekt in der Dämmerung, wobei es entweder einige Monate am Morgen oder Abend zu sehen ist. Während den Konjunktionen steht sie für jeweils einige Wochen zu nahe an der Sonne um gut gesehen zu werden.

Ähnlich zu unserem Mond zeigt uns die Venus verschiedene Phasen, je nach dem, wo sich der Planet auf seinem Orbit um die Sonne befindet. Bereits im aufgestützten Fernglas können diese Phasen gesehen werden!

Phasen des Planeten Venus. Darstellung von A. xBarmettler
Obere Konjunktion
(unsichtbar)
z.B. 11. Juni 2000

 
  11. Februar 2000
 
  Westliche Elongation
30. Oktober 1999
Grösster Glanz, 25. September 1999
Untere Konjunktion
(unsichtbar)
20. August 1999
 

Die Bilder zeigen den Ablauf der Venusphasen von oberer Konjunktion (Venus steht dann nahe der Linie Erde-Sonne, aber hinter der Sonne) zur grössten östlichen Elongation (abends sichtbar!), zur unteren Konjunktion. Venus steht dann ungefähr zwischen der Erde und der Sonne, und sehr selten läuft die Venus sogar von der Erde aus gesehen über die Sonnenscheibe. Dieser Venustransit kommt etwa alle hundert Jahre vor, in diesem Jahrhundert am 12. Juni 2004 und am 6. Juni 2012. Die Venus steht uns in der unteren Konjunktion am nächsten und erscheint mit einem viel grösseren Winkeldurchmesser als zur Zeit der oberen Konjunktion.

Nachher läuft der Planet rasch nach Westen und weiter und wird am Morgen sichtbar. Nach nur nach ungefähr zwei Monaten bereits die grösste westliche Elongation. Venus entfernt sich langsam weiter, wird lichtschwächer, obwohl immer einen grösseren Teil der Scheibe beleuchtet ist. Nach mehr als 7 Monaten steht Venus wieder in oberer Konjunktion, in Erdferne.

Venustransit - Venus vor der Sonne

Simulation des Venustransits
Venus als schwarzer Punkt vor der Sonne. Theoretisch findet eine ringförmige Sonnenfinsternis statt, aber es ist nur ein kleiner Teil der Sonne durch die Venus abgedeckt. Simulation von A. Barmettler, CalSKY.com.

Zwei Planeten kreisen innerhalb der Erdbahn um die Sonne: Merkur und Venus. Sie sind deshalb die einzigen Planeten, die zwischen uns und der Sonne stehen können. Tritt dies ein, so ziehen sie im Laufe von Stunden als schwarzer Punkt über die Sonnenscheibe - der Astronom spricht von einem Transit. Diese Transite sind seltene Ereignisse. Bei Venus können nur maximal 2 Transite pro Jahrhundert stattfinden. Im 20. Jahrhundert fand kein Venustransit statt.

Von der Erde aus gesehen ist dieser Venusdurchgang eine ringförmige Sonnenfinsternis, wobei ein nur von blossem, aber mit spezieller Finsternisbrille ausgestatteter Beobachter, die Venus als kleinen Punkt im Laufe von Stunden über die Sonnenscheibe wandern sieht. Für die Beobachtung des etwa alle 100 Jahre stattfindenden Ereignis ist ein speziell ausgerüstetes Teleskop vorteilhaft. Ab besten erkundigen Sie sich vor einem solchen Ereignis, ob Ihre Sternwarte öffentliche Führungen am Tag des Merkurtransits abhalten wird.

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20.12.2006 23:46 Uhr, Dr. Roland Brodbeck

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